Wie viele europäische Aufklärer sahen sich die Großdenker der deutschen Philosophie und Freiheit, Kant und Hegel, mit den Menschen aus der „neuen“ Welt, den indigenen Völkern und denen aus Afrika konfrontiert, die als Menschenware verwendet oder von ihrem angestammten Land vertrieben oder ermordet worden sind. Was für Menschen sind das?
Kant – der kann’s erklären:
Kant hat zwei Schriften zu einer philosophischen Anthropologie geschrieben, in denen er eine Begriffsbestimmung der Menschenrasse vornimmt, die zweite Schrift handelt „Von den verschiedenen Menschenrassen.“ Theoretische Grundlage für diese Traktate sind die Schriften „Über den Gebrauch teleologischer Prinzipien in der Philosophie“ (Bd. IX.) und „Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft“ (1786). Im Jahre 1800 verfasste er eine „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“, in der er unter dem Titel „Vom Charakter des Volkes, der Rasse, der Gattung“ die, aus seiner Sicht, grundlegenden Kriterien seiner Anthropologie darlegt.
Nach Kant ist die „Metaphysik der Natur“ Bedingung und Voraussetzung einer Naturwissenschaft, denn sie definiere a priori bestimmte Begriffe, die für das Verständnis der Natur unabdingbar seien. Denn „Gesetze, d.i. Prinzipien der Notwendigkeit dessen, was zum Dasein eines Dings gehört, beschäftigen sich mit einem Begriffe, der sich nicht konstruieren lässt, weil das Dasein in keiner Anschauung a priori dargestellt werden kann.“ Die metaphysischen Anfangsgründe der Materie, Gegenstand der Naturwissenschaft, seien: 1. die Bewegung als ein reines Quantum (Phoronomie); 2. die Qualität der Materie unter dem Namen einer „ursprünglichen Kraft“ (Dynamik); 3. die Relation der sich bewegenden Materie gegeneinander (Mechanik) und 4. in Bezug auf die Vorstellungsart, wie die Materie sich bewegt oder sich in Ruhe befindet, „mithin als Erscheinung äußerer Sinne“ (Phänomenologie). Die Metaphysik der Naturwissenschaft, in deren Rahmen er auch die Anthropologie ansiedelt, fragt zudem auch nach dem Zweck, „den man mit der Wissenschaft selbst zum anderen Gebrauch vor Augen hat.“ (22) Dieser Zweck liege über „alle Grenzen der Erfahrung“ (über Beobachtung, Experiment, und Anwendung der Mathematik auf äußere Erscheinung) darin, zur Erkenntnis „von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit zu gelangen.“(23) Freiheit als die höchste Form menschlicher Selbstbestimmtheit ohne Abhängigkeit von äußeren Gegebenheiten, in der sich die Würde oder der Wert des Menschen zeige und die die Menschengattung bestimme, ist der metaphysische Zweck und zugleich der Maßstab für das menschliche Dasein.
In diesem theoretischen Rahmen behandelt Kant die „Rassenfrage“.
Während Hegel die Rassen nach dem Grade des Freiheitsbewusstseins unterscheidet und einteilt, versucht Kant eine „Rassentheorie“ im Rahmen eines Systems der Naturphilosophie zu behandeln.
In der Schrift „Bestimmung des Begriffs Menschenrasse“, versucht Kant mit Hilfe apriorisch gewonnener Begriffe der reinen Vernunft den Begriffe >Rasse< zu bestimmen. (Bd.XI, S.65) Anlass dazu sind die „neuen Reisen“ der Kolonialisten, wie sich Kant in euphemistischer Art und Weise auszudrücken pflegt, die die „Mannigfaltigkeit der Menschengattung“ offensichtlich mache. Eine zentrale Bedeutung kommt dem apriorischen Prinzip der Zweckmäßigkeit zu. Zwar räumt Kant diesem Prinzip der Urteilskraft hinsichtlich seines Untersuchungsgegenstandes eine zweifelhafte Rolle ein, aber dieses Prinzip habe „eine gerade Beziehung auf Vernunft“ und damit auf die Freiheit, die den eigentlichen Wert oder die Würde des Menschen ausmache. Zwar könne der Mensch die Zwecke der Natur priori nicht einsehen, aber „dass es darin eine Verknüpfung der Ursachen und Wirkungen geben müsse. Folglich ist der Gebrauch des teleologischen Prinzips in Anschauung der Natur jederzeit empirisch bedingt.“ Um das Vorhaben einer Anthropologie im Rahmen einer „Naturwissenschaft“ (siehe das Traktat: Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft“) philosophisch, d.h. mit Begriffen der reinen Vernunft verstandesgemäß angehen zu können, um somit „Gesetzmäßigkeit“ in der Natur der Menschengattung postulieren zu können, muss Kant die Empirie zugrunde legen.
Die Hautfarbe der Menschen sei phänomenologisch ein äußeres Unterscheidungsmerkmal und auch den klimatischen Bedingungen ihrer Herkunftsländer geschuldet. Sie diene auch als Klassifizierungsmerkmal der Menschengattung. Ihr zugrunde liege der verschiedenartige Charakter der Rassen, der auf ihre Lebensverhältnisse zurückzuführen sei. Der Begriff Charakter bedeute nicht, „eine besondere Spezies daraus zu machen, weil diese auch eine besondere Abstammung bedeuten könne, welche wir unter dem Namen Rasse nicht verstanden wissen wollen.“ (Bestimmung der Menschenrasse,Bd.XI.S.65) Menschen entstammen einer einzigen Gattung. Hinsichtlich der Hautfarbe teilt Kant die Menschengattung in 4 Klassen auf. Die Stammgattung, m.a.W. der Ursprung der Menschengattung oder genauer gesagt der „idealen“ von der Natur selbst geschaffenen Menschengattung, bildet die „weiße Rasse von brünetter Farbe“. Die erste Rasse bilden die „Hochblonde von feuchter Kälte“ (Nord Europa); die 2. Rasse „kupferrote von trockener Kälte“ (Amerika); die 3. Rasse „Schwarze von feuchter Hitze“, die 4.Rasse Olivengelbe (Indianer) von trockener Hitze“ In dieser Klassifizierung bilden Neger und Weiße die Grundrassen. (Von den verschiedenen Rassen der Menschen,Bd.IX. 28) Offensichtlich macht Kant in dieser Klassifizierung und Benennung seiner Rassentheorie einen kleinen aber bemerkenswerten Unterschied: Die Europäer sind keine besondere Rasse, sondern kommen der Stammgattung der Menschheit am ehesten nahe.
Da der physisch „erste Ursprung“ der Menschengattung für die reine Vernunft wie auch der Anfang der „Vermischung der Rassen“ unergründlich bleibe („halbschlächtiges Anarten“), kommt Kant zu der Auffassung, dass sich die der ursprünglichen Menschengattung angehörigen Menschen „gleich anfangs getrennt und in Stämmen isoliert“ haben.
Wie kann es aber dann sein, dass die vier Hautfarben unter allen „anerbenden“ die einzigen sind,“die unausbleiblich anarten“ (73), fragt Kant. Er führt die Ursache darauf zurück, dass „sie in den Keimen des uns unbekannten ursprünglichen Stammes der Menschengattung, und zwar als solche Naturanlagen, gelegen haben müssen, die zur Erhaltung der Gattung, wenigstens in der ersten Epoche der Fortpflanzung, notwendig gehörten..“ (73) Er nimmt an:“dass es einmal verschiedene Stämme von Menschen gegeben habe, ohngefähr in den Wohnsitzen, worin wir sie jetzt antreffen, die, damit sich die Gattung erhielte, von der Natur ihren verschiedenen Weltstrichen genau gemessen, mithin auch verschiedentlich organisiert waren; wovon die viererlei Hautfarbe das äußere Kennzeichen ist.“ (73) Die Natur habe „einem jeden Stamm seinen Charakter ursprünglich in Beziehung auf sein Klima und zur Angemessenheit mit demselben gegeben.“ (73f.) So haben Schwarze, die in nördliche Gegenden gekommen seien, „niemals in ihrer Nachkommenschaft zu ansässigen Landbauern oder Handarbeitern tauglichen Schlag abgeben wollen.“ (Über den Gebrauch teleologischer Prinzipien in der Philosophie, Bd.XI. 187) Negersklaven als „freie Arbeiter“ zu gebrauchen, dafür gäbe es sowohl in England als auch in den USA keine Beispiele, „dass irgendeiner Geschäfte treibe, was man eigentlich Arbeit nennen kann.“ Auch zu einem „leichten Handwerk“ seien sie nicht in der Lage, „welches sie vormals als Sklaven zu treiben gezwungen waren.“ Sie haben es aufgegeben, wenn sie in Freiheit gekommen sind, um dafür „Höker, elende Gastwirte, Liverei-Bediente, auf den Fischzug oder Jagd ausgehende, mit einem Worte Umtreiber zu werden.“ (157) Die Charaktere der Stämme ließen sich nicht ändern. Charaktere sind erblich. Gleiches finde man auch bei aus Indien stammenden „Zigeunern“, wenn sie lieber „in den ärgsten Winternächten in den kalten Eingängen der Theater (in England) hinter dem Wagen ihrer Herrschaften warten“ als beim Dreschen, Graben, Lastentragen zu helfen. Auch bei Negern sei zu beobachten, dass es ihnen an „Emsigkeit“ fehle. Sie hielten nur das für zweckmäßig, was sie in ihrem Mutterlands Afrika zu „ihrer Erhaltung bedurften und von der Natur empfangen hatten, und dass diese innere Anlage ebenso wenig erlösche, als die äußere sichtbare.“ (158)
Rassenunterschiede sind also nicht nur biologisch äußerlich bestimmbar und klimatisch geographisch erklärbar, sondern gleichfalls vererbbar: Neger arbeiten nur so viel, wie es für sie „zweckmäßig“ ist, um ihr Leben zu erhalten und zu der „eigentlichen Arbeit“, die Verstand oder Vernunft erfordert, um „Geschäfte“ zu machen, sind sie von Natur nicht in der Lage. Es fehle ihnen auch Tugenden wie die der „Emsigkeit“. Sie sind faul und träge.
Es sind die Europäer, die die Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, wo auch immer, gestalten und zum Endzweck, der menschlichen Freiheit, zur Würde des Menschen, gelangen können und sich auf individuelle Menschenrechte , die ihnen von Natur aus zukommen, berufen können.
Hegel, der Freiheitsphilosoph und Großmeister eines „objektivierten“ Liberalismus, reflektiert in seinen >Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte< , die er in den Jahren 1822/23 bis zum Wintersemester 1830/31 in einem zweijährigen Turnus gehalten hat, über die Weltgeschichte , die durch den Hauch des Geistes bestimmt werde. Der Geist – in seiner absoluten Form, unabhängig von dem der individuellen Subjekte – „bestimme die Weltgeschichte“ und sei ihr vorwärtstreibendes Agens.
Der Aufbau der Vorlesungsreihe:
Zu Beginn bestimmt Hegel „die abstrakten Bestimmungen der Natur des Geistes“ , dann die „Mittel der Realisierung einer Idee“, dann die „Gestalt dieser Realisierung“ , die sich im politischen Rechtsstaat äußert –
bevor Hegel auf die „geographische Grundlage der Weltgeschichte“ des Geistes zu sprechen kommt. In der >Rechtsphilosophie< Hegels, die hier nicht besprochen werden kann, konkretisiert sich der absolute Geiste in der Realität des Staates.
Hegel zergliedert den Begriff Weltgeschichte und definiert die Begriffe „Geschichte“ und „Welt“. Geschichte gehe immer auf „geistigem Boden“ vor. „Der Geist und der Verlauf seiner Entwicklung ist das Substantielle.“ (S.29, Suhrkamp Verlag, Bd. 12 der Gesamtausgabe Hegels Schriften) Der Begriff Welt begreife die „physische und psychische Natur in sich“ in ihrem „Verhältnis zum Geist.“ Natur an sich (Materie) werde hier „nicht betrachtet.“ Die Substanz der Natur, das ihr zugrunde Liegende, sei die „Schwere“. Die Substanz des Geistes sei hingegen die Freiheit. „Freiheit ist das einzig Wahrhafte des Geistes.“ Die Materie der Natur habe ihre Einheit „außer sich“, während der Geist die Einheit in sich gefunden habe. „Geist ist das Bei-sich-selbst-sein.“ Darin liege eben seine Freiheit begründet, denn Abhängigkeit von einem Anderen und auf ein Anderes bestimme die materielle Natur. „Frei bin ich, wenn ich bei mir bin.“ (30)
Hegel erläutert hier begrifflich die in der europäischen Philosophie und die auf ihr beruhenden Wissenschaften durchdachte Trennung von Geist und Materie, Seele und Leib etc. Die Philosophie der Aufklärung beruht auf dieser Trennung und verfeinert diese entsprechend der historischen Gegebenheiten. Hegel begreift die Weltgeschichte grundsätzlich ideologisch. Wie alle Begriffe Abstraktionen, aber nicht alle Abstraktionen ideologisch sind, so ist der Begriff Freiheit eine zur Ideologie geformte Abstraktion, ein Ideal. Aus der Sicht der Kognitionstheorie sind Ideen Resultate von Gedanken, die ihrerseits Resultate eines Denkvorgangs, eines „materiellen und geistigen“ Vermögens, sind, das nicht nur Menschen auch manchen Säugetieren eigen ist. Der Kniff der idealistischen Philosophie besteht darin, dass das kognitive und individuelle Verständnis des Gedankenvorgangs ( Reizwahrnehmung – Kategoriesierungsfähigkeit- Analogbildung- symbolische Repräsentation, die es ermöglicht, Objekte und Ereignisse auf unzählige Arten zu gruppieren- Begriffsbildung mit Hilfe von Sprache – Ideen) durch ein Verständnis im abstrakten und wahrhaften Sinne und in idealistischer Weise abgelöst wird. Mit der Betonung des Allgemeinen, des Wesentlichen und Gesetzmäßigen tritt „der Geltungsaspekt des Denkens gegenüber dem Entstehungsaspekt in den Vordergrund“ (Ludwig Huber, Das rationale Tier, Suhrkamp 2021, S.37). Es findet sozusagen eine Transformation von konkreter, auf gegenständliche Objekte bezogene Begriffsbildung zu einer „metaphorischen Abstraktion“ statt, wenn Begriffe auf nicht gegenständliche Entitäten (Substanzen) übertragen werden. Freiheit ist ein solche „potentiell metaphorische Abstraktion“ , ein Ideal, das zu vielen gegenständlichen Inhalten in Bezug gesetzt werden kann.
Hegel ist ein Meister dieser Abstraktionskunst, dieser Verschiebungstaktik von einer Idee zum Ideal und dessen Ideologie. Folge dieser Transformation oder rationalistischen Konzeption ist die Verquickung von Sprache und Denken. So ist z.B. der Mensch alleiniger Eigentümer des Geistes, weil er eine Begriffssprache besitzt.
Der „abstrakten Bestimmung der Natur des Geistes“ gemäß, in der Bewusstsein des menschlichen Individuums nochmals abstrahiert wird und mit Hegel der Begriff des „absoluten Geistes“ kreiert wird, dem auch ein Zweck, ja ein Endzweck und einen Sinn zugesprochen und dieser „absolute Geist“ zum Maßstab geschichtlicher Entwicklung genommen wird, teilt Hegel verschiedene Menschengruppen unter geographischem Aspekt wie folgt ein:
1. „Die Orientalen (Chinesen, Inder, Assyrer, Babylonier, Meder, aber auch Ägypter) wissen noch nicht, dass der Geist oder der Mensch als solcher an sich frei ist, weil sie es nicht wissen, sind sie es nicht; sie wissen nur, das Einer frei ist, aber eben darum ist solche Freiheit nur Willkür, Wildheit, Dumpfheit der Leidenschaft…“(31) Aber immerhin, die „Orientalen“ sind zur Freiheit grundsätzlich fähig.
2. „In den Griechen ist das Bewusstsein der Freiheit aufgegangen, und darum sind sie frei gewesen, wie die Römer, sie wussten nur, dass Einige frei sind, nicht der Mensch als solcher.“ (31)
3. „Erst die germanischen Nationen sind im Christentum zum Bewusstsein gekommen, dass der Mensch frei ist, die Freiheit des Geistes seine eigene Natur ausmacht.“ (31)
Schon in dieser ideologische Einteilung und Ordnung werden „Neger“ nicht erwähnt. Sie sind, wie die Zitate Hegels weiter unten belegen, zu nichts „Menschlichem“ fähig. Das Christentum (besonders der Protestantismus) sei insofern ein Entwicklungsschritt, weil Jesus der geborenen Mensch-Gott sei, der verehrt und zugleich durch die Objektivierung das menschliche Individuum zum Bewusstsein von Sittlichkeit und Recht in religiöser Form gekommen sei.
Nach Bruno Bauer haben die Juden und das Judentum diesen Schritt noch nicht vollzogen und deshalb stellt er die „Judenfrage“. Bauer ist der Auffassung, dass das Judentum als religiöse und politische Gemeinschaft mit eigener Kultur dazu nicht in der Lage sein kann, im Staate die Freiheit des Geistes zu realisieren. Marx widerspricht , wie wir wissen, dieser Auffassung fundamental. Aber schon Bauers Argumentation auf Grundlage hegelianischen Freiheitsideologie enthält antisemitische Elemente, wenn er Juden in Bezug auf die Freiheit des Geistes als nicht gesellschaftsfähig und staatsfähig hält, und sie deshalb als minderwertig begreift.
Hegel kommt zu der Schlussfolgerung: „Die Weltgeschichte ist der Fortschritt der Freiheit – ein Fortschritt, dem wir in seiner Notwendigkeit zu erkennen haben.“ (32)
Dass die „Freiheit des Geistes“, wie sie im bürgerlich christlich-germanischen Staat zum Ausdruck kommt, ohne argumentative Brüche zu rassistischen Gedanken kommt, das belegen folgende Zitate aus den >Vorlesungen<:
„Bei den Negern ist nämlich das Charakteristische gerade, dass ihr Bewusstsein noch nicht zu Anschauung irgendeiner festen Objektivität gekommen ist, wie zum Beispiel Gott, Gesetz… Zu dieser Unterscheidung seiner als des Einzelnen und seiner wesentlichen Allgemeinheit ist der Afrikaner in seiner unterschiedslosen, gedrungenen Einheit nicht gekommen, wodurch das Wissen von einem absoluten Wesen, das ein anderes, Höheres gegen das Selbst wäre, ganz verfehlt. Der Neger stellt, (…) , den natürlichen Menschen in seiner ganzen Wildheit und Unabhängigkeit dar (…) Es ist nichts an das Menschliche Anklingende in diesem Charakter zu finden.“ (122)
„Das, was sie sich als ihre Macht vorstellen … ist der erst beste Gegenstand, den sie zum Genius erheben, sei es ein Tier, ein Baum, ein Stein, ein Bild vom Holz:“ (123) Sie haben Fetische. „Daraus aber, dass der Mensch als das Höchste gesetzt ist, folgt, dass er keine Achtung vor sich selber hat, denn erst mit dem Bewusstsein eines höheren Wesens erlangt der Mensch einen Standpunkt, der ihm eine Achtung gewährt. (…) Die Neger besitzen daher diese vollkommenen Verachtung der Menschen… Es ist auch kein Wissen von der Unsterblichkeit der Seele vorhanden, obwohl Totengespenster vorkommen. Die Wertlosigkeit der Menschen geht ins Unglaubliche“ (124) Sie verzehren Menschen, weil sie der Auffassung seien, Menschenfleisch sei „nur Sinnliches, Fleisch überhaupt.“ (125) Neger sind wie Tiere. „Die Neger werden von den Europäern in die Sklaverei geführt und nach Amerika hin verkauft, Trotzdem ist ihr Los im eigenen Lande fast noch schlimmer, wo ebenso Sklaverei vorhanden ist; denn die Grundlage der Sklaverei überhaupt, dass der Mensch das Bewusstsein seiner Sklaverei noch nicht hat und somit zu einer Sache, zu einem Wertlosen herabsinkt.“ (125)
7 Seiten lang purer Rassismus im definierten Sinne. Unglaublich. Am Ende schreibt Hegel:
„Wir verlassen hiermit Afrika, um späterhin keine Erwähnung mehr zu tun. Das ist kein geschichtlicher Weltteil, er hat keine Bewegung und Entwicklung auszuweisen…“ (129)
Sklaverei ist eine „ökonomische Kategorie“, wie Karl Marx schreibt.Auf Sklaverei beruhte nicht nur der Reichtum der europäischen Bourgeoisie. Sklaverei war auch der grundlegende Faktor für den Aufbau und die Entwicklung eines neuen Wirtschaftssystems, des Kapitalismus. Sie wurde betrieben hauptsächlich im Bereich der Baumwollproduktion auf den Feldern in Nordamerika. Sklaven waren Handelsgut wie jede andere Ware. Mit ihnen konnte ein hoher Profit erzielt werden. Sie wurden von holländischen, englischen oder französischen Kaufleuten dorthin transportiert.
Die Existenz der Sklaverei stand im diametralen Gegensatz zur Ideologie des Liberalismus: zur Freiheit des Individuums, seiner Würde und seiner Freiheitsrechte, die als unveräußerliche, als universale und universelle Rechte propagiert wurden. Sie seien der Natur des Menschen und seiner Vernunft geschuldet. Der Rassismus ist die ideologische Antwort der weißen Philosophen für die bürgerliche Gesellschaft der Privateigentümer. Der Rassismus ist sozusagen ein philosophischer Ableger des Liberalismus, um die Unmöglichkeit der Gleichwertigkeit der Menschen einer gleichen Gattung zu behaupten.