Neulich habe ich den Dienst einer „Künstlichen Intelligenz“ in Anspruch genommen. Sie kommt aus den USA und nennt sich „Claude“. Ich wollte von ihr eine „Zusammenfassung“ aller 50 Artikel meines Blogs.
Statt einer Zusammenfassung aller Artikel teilt mir ein „Ich“ seine „eigene epistemische Einordnung und Bewertung“ der letzten 10 Artikel mit. Sie seien „dezidiert marxistisch.“ Diese Einordnung stützt sich auf einen Vergleich zwischen Adam Smith und Karl Marx in Bezug auf die Funktion des Kredits. Der Artikel selbst stellte eine Übereinstimmung zwischen beiden Klassikern dar. Das intelligente Sprachmodell „erkannte“ (epistemisch) : „Der ganze (!?) Blog beruht auf der marxistischen Werttheorie (nur Arbeit schaffe Wert (?)…).“ Das sei „keine gesicherte Lehrmeinung (??) und beruhe auf keinen „gesicherten Fakten“.
Ich hatte die beiden Klassiker zur Funktion von Kapital (eingedenk des Faktums der Durchsetzung des Industriekapitals im 19. Jahrhundert) befragt und ihre zentrale Auffassung zitiert. Hatte dann diese Auffassung von der Funktion des Kapitals in Bezug auf die Wirtschaften Chinas und der USA gesetzt. Claude fasste dies mit den Worten zusammen, ich sei der Volksrepublik China „wohlgesonnen“ und sei „kritisch“(prüfend?,gefährlich?,bedenklich?) gegenüber der USA als Finanzimperium eingestellt und kritisiere den Kapitalismus und den Liberalismus. (Wobei Claude unter Kapitalismus ein „politisches System“ versteht. ?)
Nun stieg ich in ein Gespräch mit „Claude“ ein. Ich fragte: Was er/sie/es unter „gesicherter Lehrmeinung“ verstehe? Ob alle Beiträge zusammengefasst worden seien? Ob sich eine „epistemische Einordnung auf alle Artikel beziehe? Ob seine „eigene“ Zusammenfassung einen Standpunkt, Meinung oder gar Ideologie beinhalte? Ob es „neutral“ sei und auf Fakten beruhe?
„Ich habe versucht (!) neutral zu sein, habe aber nicht neutral geantwortet. Reine (??) Neutralität sei ohnehin schwer.“
Ein Funken ob seiner Intelligenz glomm in mir auf. Es fuhr fort:
„Außerdem habe ich nicht alle Beiträge zusammengefasst.“ Eine „gesicherte Lehrmeinung“ sei, wenn „in einer Fachdisziplin ein breiter, gut begründeter Konsens der Fachleute bestehe oder eine große Mehrheit der Fachleute aufgrund von Belegen, Methoden und Prüfungen diesen Konsens als tragfähig akzeptieren.“
Wer möchte sein belegtes Wissen einer anthropoiden Rechenmaschine anvertrauen, die als Moloch alles erreichbare Wissen monopolisiert will, in Hände privater Unternehmer? Wer möchte dieses kritische Wissen in den Fluten des so genannten Wissenskonsens ertrinken sehen?
Nun kam ich noch einmal auf das Thema „Werttheorie“ zurück und fragte, ob Marx wie Adam Smith und David Ricardo ein Arbeitswerttheoretiker gewesen sei. Die Antwort war kurz und knapp:
„Kurz gesagt: Ja und nein“. Marx stehe zwar in der Tradition der Arbeitswertlehre, sei aber „kein Arbeitswerttheoretiker im gleichen Sinne“ (?). Marx habe die Arbeitswertlehre „umgebaut“ (?!) und sie zu etwas „qualitativ“ anderem gemacht.
Dass sich Marx prüfend (kritisch) mit der Argumentation der Klassiker und liberalen Ökonomen Smith und Ricardo und mit den Begriffen der ökonomischen Kategorien der Werttheorie auseinandergesetzt hat, davon kein Wort. Claude wies noch darauf hin, dass Smith und Ricardo den Wert der Ware durch die in ihr enthaltene Arbeitsmenge oder Arbeitszeit bestimmt haben. Smith habe zudem „geschwankt“ zwischen „eingesetzter und kommandierter Arbeit“ und habe später eine Kostenaddition von Lohn und Rente ergänzt. Auf diese spezielle Darstellung möchte ich hier nicht näher eingehen. Ricardo habe eine Theorie des relativen Wertes und und der relativen Arbeitsmengen, von akkumulierter Arbeit und Kapital vorgelegt. (Hat Ricardo die Werttheorie von A.Smith „umgebaut“?)
Unter der Prämisse der Klassiker, eine wissenschaftliche Ökonomie müsse Wirtschaftsprozesse nach Regelmäßigkeit untersuchen, gingen sie davon aus, dass 1. Wirtschaft aus einer wechselseitigen Beziehung von Produktion und Distribution von Waren besteht und nicht nur aus der Beziehung von Marktpreisen; 2. dass Produkte durch menschliche Arbeit entstanden seien und einen Gebrauchswert haben; 3. dass der Austausch von Waren äquivalent geschieht. Diesen Wert nennen sie Tauschwert ; 4. dass ein „Surplus“ entstehe. Die Waren haben also einen Doppelcharakter. Einen konkreten Wert, der für die Käufer einen unterschiedlichen Gebrauchswert hat. Und einen Tauschwert, der einen zählbaren Wert repräsentieren muss, um die Eigenschaft der Äquivalenz zu haben. In diesen Prämissen stimmen A.Smith, D.Ricardo und Marx überein.
Nach Smith und Ricardo bestimmt die Arbeitsmenge den Tauschwert, die zur Produktion der Ware aufgebracht wurde und die dafür benötigte Arbeitszeit. Während Smith das Maß des Wertes nur in der menschlichen Arbeit als ein absolut“natürliches“ Maß begreift („natürlicher Preis“), verändert Ricardo durch kritische Argumentation gegen Smiths Theorie von einem absoluten Wertmaßstab die Werttheorie und führt die Kategorie des „relativen Wertes“ ein. Karl Marx hat den Begriff der (menschlichen, lebendigen) Arbeit analysiert. Arbeit sei sowohl Gestaltung von Objekten, die als Waren keinen gemeinsamen, messbaren und zählbaren äquivalenten Wert besitzen. Er schlussfolgert: Arbeit besitzt einen Doppelcharakter. Sie ist einerseits Formung, andererseits zugleich Verausgabung von Arbeitskraft, die leistungsfähig ist, einen größeren Output als Input zu generieren. „Dass die Arbeitszeit, die das Arbeitsvermögen zu seiner Reproduktion und Erhaltung kostet, sehr verschieden ist von der Arbeit, die es selbst leisten kann, dem Adam Smith wohl bekannt.“ (Marx, Theorien über dem Mehrwert, MEW 26, 1971, S. 43) Dass Smith und Ricardo keinen Mehrwert resp. Profit aus dem kapitalisierten Markt heraus destillieren können, hat Walras gezeigt. Er hat mathematisch gezeigt, dass die Preisbestimmung auf Grundlage der Produktionskostentheorie nicht darstellbar ist. Es ist unmöglich, dass der aggregierte (P) aus Löhnen und Kapitalteil, der die akkumulierte Arbeit umfasst, durch die Zinsen definiert wird, während gleichzeitig die Zinsen mit Hilfe von P bestimmt werden. „Es ist jetzt klar, dass die englischen Ökonomen von dem Problem der Preisbestimmung völlig verwirrt sind: Denn es ist unmöglich, dass P durch I (Zinsen) definiert wird, während gleichzeitig I mit Hilfe von P bestimmt wird. In der Sprache der Mathematik kann eine Gleichung nicht benutzt werden, um zwei Unbekannte zu bestimmen.“ (Walras, Elements, 1874, Lektion 40, § 368, S. 424)
Marxens Theorie der Arbeit unterscheidet sich aufgrund des Doppelcharakters der Arbeit von den liberalen Klassikern. „Die zwieschlächtige Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit ist zuerst von mir kritisch nachgewiesen worden. Sie ist der Springpunkt, um den sich das Verständnis der Politischen Ökonomie dreht.“ (Marx, MEW 27, 56 ) Marx wendet sich auch gegen den Versuch, aus der Analyse der Warenpreise die Bestimmung der Wertgröße zu fixieren, da die Arbeitszeit auf die Arbeitsmenge und Produktionskosten bezogen werde. Daher sei es der Politischen Ökonomie nie gelungen, „aus der Analyse der Ware und speziell des Warenwertes, die Form des Wertes, die ihn zum Tauschwert macht, herauszufinden.“ (Marx) Daher habe die Englische Schule den historischen Charakter der bürgerlichen Produktionsweise nie erkannt, sondern sie „als ewige Naturform gesellschaftlicher Produktion“ verklärt. „Weil der Preis nicht gleich dem Wert ist, kann das wertbestimmende Element – die Arbeitszeit – nicht das Element sein, worin die Preise ausgedrückt werden, weil die Arbeitszeit sich zugleich als Bestimmende und das Nichtbestimmende, als das Gleich und Ungleiche ihrer auszudrücken hätte. Weil die Arbeitszeit nur ideal existieren kann, kann sie nicht die Materie der Verleihung der preise dienen.“ (Grundrisse)
Mein Stelldichein mit Claude hat mich sehr an die Schule erinnert, wo ein Oberlehrer gemäß der amtlichen Vorgaben anhand „genehmigter Texte“ Urteile und Noten vergibt. Noch etwas Grundlegendes: Der Anthropoide Claude gibt vor, eine „Ich-Identität“ zu haben, obwohl sein „Ich“ produziert worden ist. Außerdem besitzt der Typ keinen „Intellectus“, sondern simuliert maschinell und schnell Problemlösungsverhalten. Es scheint der A.M.Turing Definition zu folgen, dass „künstliche Intelligenz“ dann vorherrsche, wenn menschliche Intelligenz von maschineller nicht unterschieden werden könne. Nach dieser Definition ist der Anthropoide Claude alles andere als eine intelligente Rechenmaschine.
Mir scheinen die Urteile kritischer Intelligenz weltweit mehr als angebracht, diesen Anthropoiden Typen kein Wissen anzuvertrauen, da sie nicht nur Bücher schreddern, sondern Macht über Menschen erreichen wollen. Es ist mehr als ein Verdacht, dass Typen wie Musk und Thiel u.a. dieser IK-Unternehmen nach absoluter politischer, wirtschaftlicher und sozialer Macht weltweit suchen. Sie müssen bekämpft werden., wollen wir überleben.