Ein erstes und letztes Stelldichein mit einer anthropoischen Rechenmaschine

Neulich habe ich den Dienst einer „Künstlichen Intelligenz“ in Anspruch genommen. Sie kommt aus den USA und nennt sich „Claude“. Ich wollte von ihr eine „Zusammenfassung“ aller 50 Artikel meines Blogs.

Statt einer Zusammenfassung aller Artikel teilt mir ein „Ich“ seine „eigene epistemische Einordnung und Bewertung“ der letzten 10 Artikel mit. Sie seien „dezidiert marxistisch.“ Diese Einordnung stützt sich auf einen Vergleich zwischen Adam Smith und Karl Marx in Bezug auf die Funktion des Kredits. Der Artikel selbst stellte eine Übereinstimmung zwischen beiden Klassikern dar. Das intelligente Sprachmodell „erkannte“ (epistemisch) : „Der ganze (!?) Blog beruht auf der marxistischen Werttheorie (nur Arbeit schaffe Wert (?)…).“ Das sei „keine gesicherte Lehrmeinung (??) und beruhe auf keinen „gesicherten Fakten“.

Ich hatte die beiden Klassiker zur Funktion von Kapital (eingedenk des Faktums der Durchsetzung des Industriekapitals im 19. Jahrhundert) befragt und ihre zentrale Auffassung zitiert. Hatte dann diese Auffassung von der Funktion des Kapitals in Bezug auf die Wirtschaften Chinas und der USA gesetzt. Claude fasste dies mit den Worten zusammen, ich sei der Volksrepublik China „wohlgesonnen“ und sei „kritisch“(prüfend?,gefährlich?,bedenklich?) gegenüber der USA als Finanzimperium eingestellt und kritisiere den Kapitalismus und den Liberalismus. (Wobei Claude unter Kapitalismus ein „politisches System“ versteht. ?)

Nun stieg ich in ein Gespräch mit „Claude“ ein. Ich fragte: Was er/sie/es unter „gesicherter Lehrmeinung“ verstehe? Ob alle Beiträge zusammengefasst worden seien? Ob sich eine „epistemische Einordnung auf alle Artikel beziehe? Ob seine „eigene“ Zusammenfassung einen Standpunkt, Meinung oder gar Ideologie beinhalte? Ob es „neutral“ sei und auf Fakten beruhe?

„Ich habe versucht (!) neutral zu sein, habe aber nicht neutral geantwortet. Reine (??) Neutralität sei ohnehin schwer.“

Ein Funken ob seiner Intelligenz glomm in mir auf. Es fuhr fort:

„Außerdem habe ich nicht alle Beiträge zusammengefasst.“ Eine „gesicherte Lehrmeinung“ sei, wenn „in einer Fachdisziplin ein breiter, gut begründeter Konsens der Fachleute bestehe oder eine große Mehrheit der Fachleute aufgrund von Belegen, Methoden und Prüfungen diesen Konsens als tragfähig akzeptieren.“

Wer möchte sein belegtes Wissen einer anthropoiden Rechenmaschine anvertrauen, die als Moloch alles erreichbare Wissen monopolisiert will, in Hände privater Unternehmer? Wer möchte dieses kritische Wissen in den Fluten des so genannten Wissenskonsens ertrinken sehen?

Nun kam ich noch einmal auf das Thema „Werttheorie“ zurück und fragte, ob Marx wie Adam Smith und David Ricardo ein Arbeitswerttheoretiker gewesen sei. Die Antwort war kurz und knapp:

„Kurz gesagt: Ja und nein“. Marx stehe zwar in der Tradition der Arbeitswertlehre, sei aber „kein Arbeitswerttheoretiker im gleichen Sinne“ (?). Marx habe die Arbeitswertlehre „umgebaut“ (?!) und sie zu etwas „qualitativ“ anderem gemacht.

Dass sich Marx prüfend (kritisch) mit der Argumentation der Klassiker und liberalen Ökonomen Smith und Ricardo und mit den Begriffen der ökonomischen Kategorien der Werttheorie auseinandergesetzt hat, davon kein Wort. Claude wies noch darauf hin, dass Smith und Ricardo den Wert der Ware durch die in ihr enthaltene Arbeitsmenge oder Arbeitszeit bestimmt haben. Smith habe zudem „geschwankt“ zwischen „eingesetzter und kommandierter Arbeit“ und habe später eine Kostenaddition von Lohn und Rente ergänzt. Auf diese spezielle Darstellung möchte ich hier nicht näher eingehen. Ricardo habe eine Theorie des relativen Wertes und und der relativen Arbeitsmengen, von akkumulierter Arbeit und Kapital vorgelegt. (Hat Ricardo die Werttheorie von A.Smith „umgebaut“?)

Unter der Prämisse der Klassiker, eine wissenschaftliche Ökonomie müsse Wirtschaftsprozesse nach Regelmäßigkeit untersuchen, gingen sie davon aus, dass 1. Wirtschaft aus einer wechselseitigen Beziehung von Produktion und Distribution von Waren besteht und nicht nur aus der Beziehung von Marktpreisen; 2. dass Produkte durch menschliche Arbeit entstanden seien und einen Gebrauchswert haben; 3. dass der Austausch von Waren äquivalent geschieht. Diesen Wert nennen sie Tauschwert ; 4. dass ein „Surplus“ entstehe. Die Waren haben also einen Doppelcharakter. Einen konkreten Wert, der für die Käufer einen unterschiedlichen Gebrauchswert hat. Und einen Tauschwert, der einen zählbaren Wert repräsentieren muss, um die Eigenschaft der Äquivalenz zu haben. In diesen Prämissen stimmen A.Smith, D.Ricardo und Marx überein.

Nach Smith und Ricardo bestimmt die Arbeitsmenge den Tauschwert, die zur Produktion der Ware aufgebracht wurde und die dafür benötigte Arbeitszeit. Während Smith das Maß des Wertes nur in der menschlichen Arbeit als ein absolut“natürliches“ Maß begreift („natürlicher Preis“), verändert Ricardo durch kritische Argumentation gegen Smiths Theorie von einem absoluten Wertmaßstab die Werttheorie und führt die Kategorie des „relativen Wertes“ ein. Karl Marx hat den Begriff der (menschlichen, lebendigen) Arbeit analysiert. Arbeit sei sowohl Gestaltung von Objekten, die als Waren keinen gemeinsamen, messbaren und zählbaren äquivalenten Wert besitzen. Er schlussfolgert: Arbeit besitzt einen Doppelcharakter. Sie ist einerseits Formung, andererseits zugleich Verausgabung von Arbeitskraft, die leistungsfähig ist, einen größeren Output als Input zu generieren. „Dass die Arbeitszeit, die das Arbeitsvermögen zu seiner Reproduktion und Erhaltung kostet, sehr verschieden ist von der Arbeit, die es selbst leisten kann, dem Adam Smith wohl bekannt.“ (Marx, Theorien über dem Mehrwert, MEW 26, 1971, S. 43) Dass Smith und Ricardo keinen Mehrwert resp. Profit aus dem kapitalisierten Markt heraus destillieren können, hat Walras gezeigt. Er hat mathematisch gezeigt, dass die Preisbestimmung auf Grundlage der Produktionskostentheorie nicht darstellbar ist. Es ist unmöglich, dass der aggregierte (P) aus Löhnen und Kapitalteil, der die akkumulierte Arbeit umfasst, durch die Zinsen definiert wird, während gleichzeitig die Zinsen mit Hilfe von P bestimmt werden. „Es ist jetzt klar, dass die englischen Ökonomen von dem Problem der Preisbestimmung völlig verwirrt sind: Denn es ist unmöglich, dass P durch I (Zinsen) definiert wird, während gleichzeitig I mit Hilfe von P bestimmt wird. In der Sprache der Mathematik kann eine Gleichung nicht benutzt werden, um zwei Unbekannte zu bestimmen.“ (Walras, Elements, 1874, Lektion 40, § 368, S. 424)

Marxens Theorie der Arbeit unterscheidet sich aufgrund des Doppelcharakters der Arbeit von den liberalen Klassikern. „Die zwieschlächtige Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit ist zuerst von mir kritisch nachgewiesen worden. Sie ist der Springpunkt, um den sich das Verständnis der Politischen Ökonomie dreht.“ (Marx, MEW 27, 56 ) Marx wendet sich auch gegen den Versuch, aus der Analyse der Warenpreise die Bestimmung der Wertgröße zu fixieren, da die Arbeitszeit auf die Arbeitsmenge und Produktionskosten bezogen werde. Daher sei es der Politischen Ökonomie nie gelungen, „aus der Analyse der Ware und speziell des Warenwertes, die Form des Wertes, die ihn zum Tauschwert macht, herauszufinden.“ (Marx) Daher habe die Englische Schule den historischen Charakter der bürgerlichen Produktionsweise nie erkannt, sondern sie „als ewige Naturform gesellschaftlicher Produktion“ verklärt. „Weil der Preis nicht gleich dem Wert ist, kann das wertbestimmende Element – die Arbeitszeit – nicht das Element sein, worin die Preise ausgedrückt werden, weil die Arbeitszeit sich zugleich als Bestimmende und das Nichtbestimmende, als das Gleich und Ungleiche ihrer auszudrücken hätte. Weil die Arbeitszeit nur ideal existieren kann, kann sie nicht die Materie der Verleihung der preise dienen.“ (Grundrisse)

Mein Stelldichein mit Claude hat mich sehr an die Schule erinnert, wo ein Oberlehrer gemäß der amtlichen Vorgaben anhand „genehmigter Texte“ Urteile und Noten vergibt. Noch etwas Grundlegendes: Der Anthropoide Claude gibt vor, eine „Ich-Identität“ zu haben, obwohl sein „Ich“ produziert worden ist. Außerdem besitzt der Typ keinen „Intellectus“, sondern simuliert maschinell und schnell Problemlösungsverhalten. Es scheint der A.M.Turing Definition zu folgen, dass „künstliche Intelligenz“ dann vorherrsche, wenn menschliche Intelligenz von maschineller nicht unterschieden werden könne. Nach dieser Definition ist der Anthropoide Claude alles andere als eine intelligente Rechenmaschine.

Mir scheinen die Urteile kritischer Intelligenz weltweit mehr als angebracht, diesen Anthropoiden Typen kein Wissen anzuvertrauen, da sie nicht nur Bücher schreddern, sondern Macht über Menschen erreichen wollen. Es ist mehr als ein Verdacht, dass Typen wie Musk und Thiel u.a. dieser IK-Unternehmen nach absoluter politischer, wirtschaftlicher und sozialer Macht weltweit suchen. Sie müssen bekämpft werden., wollen wir überleben.

Ein Gedankenexperiment

Man stelle sich vor:

Was geschehe, wenn eine singuläre Künstliche Intelligenz des mathematisch formalisierten Wissens und Problemlösens die Kosten sowohl des Produktions- als auch des Zirkulationsprozesses gegen 0 triebe, der Marktwettbewerb (Konkurrenz) zum Erliegen käme so wie jegliche Investitionstätigkeit ?

Karl Marx hat in den Heften IV zu den Grundrissen diesbezüglich logisch gefolgert:

„Die zur Erhaltung des Arbeitsvermögens notwendige Arbeit würde vermindert und so die Surplusarbeit, der Mehrwert, vermehrt (…), ohne dass es dem Kapital das Geringste kostete.“- „Eine solche Vermehrung der Produktionskraft, eine Maschinerie, die ihm nichts kostete, ist die Teilung der Arbeit und die Kombination der Arbeit innerhalb des Produktionsprozesses. (…) Dauerte die Maschinerie ewig, bestünde sie nicht selbst aus vergänglichem Material, das reproduziert werden müsste, wäre sie ein perpetuum mobile, so entspräche sie am vollständigsten ihrem Begriffe. Ihr Wert bauchte nicht ersetzt zu werden, weil sie in einer unzerstörbaren Materialität fortdauerte.“ (Marx)

Eine solche „kostenlose“ Maschine ohne menschliche Arbeitskraft kostet leider verschiedenartige Rohstoffe. Der „künstliche Geist“ braucht Stoff und Körper. Daher die vielen Kriege, um Zugänge zu preiswerten Rohstoffen zu erreichen.

Weiter sei angenommen:

Diese enorme Produktivkraft gesellschaftlicher Arbeit läge in den Händen des Privateigentums an den Produktions- , Distributions- und Informationsmitteln. Das hätte zur Folge eine ungeheure Konzentration und Zentralisation des Kapitals und eine ungeheure politische Machtkonzentration. ( siehe Prototyp Musk=erster Trillionär) Andererseits zerstörte diese Produktivkraft das Produktionsverhältnis, aus der sie hervorgegangen ist, – das Produktionsverhältnis Kapital und Lohnarbeit. Was immense soziale Auswirkungen zur Folge haben würde. Eine Zunahme KI-gesteuerter autoritärer Regierungsformen wäre die Konsequenz, wenn Unruhen und Revolutionen verhindert werden müssen.

Kurz gesagt:

Die Entwicklung der Produktivkräfte stößt an die Grenzen kapitalistischer Produktionsverhältnisse.

„Da capital fix nur angewandt wird, insofern es als Wert geringer ist wie als wertsetzend, würde, obgleich es selbst nie (auf einmal) als Wert in die Zirkulation träte, der in dem Capital circulant realisierte Surpluswert dennoch bald die Avancen (Vorschüsse) ersetzen, und so würde es wertsetzend wirken, nach dem seine Kosten für den Kapitalisten, ebenso wie der der Surplusarbeit, die er sich aneignet, gleich o wären. Es würde die Produktivkraft der Arbeit fortwirken und zugleich Geld in der dritten Bedeutung für sich seiender Wert sein.“ (Marx)

Jegliche Entwicklung von Produktivkräften ist ein Produkt gesellschaftlicher Arbeit, doch keine Entwicklung „natürlicher oder geistiger Evolution“. Jede Entwicklung findet unter bestimmten ökonomischen Formationen von Produktionsverhältnissen und der sie stützenden politischen Macht statt.

Am Ende dieses Artikels möchte ich noch auf die Begriffsverschiebung von Wissen zur Information eingehen. Sie ist ein Resultat der Mathematisierung der Realität seit Beginn der europäischen Aufklärung.

Kybernetische Maschinen stellen „mathematisch formalisiertes Wissen“ dar. Nach André Gorz (Wissen,Wert und Kapital, Zur Kritik der Wissensökonomie) liegt eine unterschiedliche Definition in der so genannten „Wissensökonomie“ vor. Er kritisiert, Wissen könne nicht „in einfache, abstrakte Einheiten übersetzt werden und nach solchen bemessen werden. Es ist nicht auf eine Quantität abstrakter Einheiten reduzierbar, deren Ergebnis Produkt oder Äquivalent es wäre.“ Wissen umfasse verschiedene Tätigkeiten ohne gemeinsamen Maßstab. Kybernetiker und Informatiker haben ab Mitte der 50er Jahre des 20.Jahrhunderts den Begriff Wissen durch den der Information ersetzt.

Wer ist der Antichrist ?

Apokalyptische Vorahnungen wabern durchs Land. Eine Endzeitstimmung herrsche. „Künstliche Intelligenz“ (KI) sei entstanden, habe sich verselbständigt, habe sich zu einem Selbstbewusstsein entwickelt; menschliche Arbeit werde durch die KI ersetzt. Die KI sei effizienter, wissender, klüger, sicherer und produktiver. Übertreffe die Leistungen des menschlichen Gehirns. Der endliche Mensch stehe einer neuen „Wesensentität“ gegenüber.

Dieses Monster des Wissens schreibe auch eine andere Geschichte der Freiheit und sei eine „Singularität“. Diese Geschichte lautet: Die KI habe die alte Ökonomie der Marktwirtschaft überflüssig gemacht und ebenso eine Politik des liberalen Staates. Die Ideologie des wirtschaftlichen und politischen Liberalismus stehe vor ihrem Ende.

Peter Thiel hat in dieser Stimmung des Zeitgeistes einen Dialog ins Leben gerufen und zu dieser Runde prominente Politiker, Wissenschaftler aus den Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften, Medienvertreter aus aller Welt eingeladen. Auf der Tagesordnung sollen etwa Themen nationaler Sicherheit, Ethik, Bewusstseinsforschung, Genetik, Sexualität etc. und selbstredend Themen zur KI stehen. Das Thema der „Transhumanität“ spielt ebenso für Thiel eine entscheidende Rolle. Im Besonderen der natürliche Tod. Der Mensch müsse von den Widernissen des Körpers entkoppelt werden. Eine „Entmaterialisierung“ menschlicher Kommunikation und digitale Automation habe schon eine „mathematisierte virtuelle Realität“ geschaffen, die der irrenden Realitätswahrnehmung der Menschen weit überlegen sei. Die „Geschichte“ richte sich sowohl gegen materialistische als auch gegen liberale Vorstellungen, gegen jedweden Vergesellschaftungsgedanken, gegen jeden Kollektivismus oder Sozialismus. Die Geschichte der „neuen Freiheit“ richte sich deswegen auch gegen den Liberalismus, der von unveräußerlichen Menschenrechten des Individuums, von ausgleichender Gerechtigkeit, gar von Mitgefühl (sympathy, Adam Smith), Chancengleichheit und von Demokratie einer „Wertgemeinschaft“ spricht und diese Versprechen nicht einhalten könne.

Für den Libertären und Transhumanisten Thiel erfüllt die erzählerische Verpackung des Mythos vom Antichristen sowohl einen propagandistischen als auch einen ideologischen Zweck. Im Gegensatz zur philosophisch-wissenschaftlicher Argumentation setzt der Mythos einen emotionalen und religiösen Rahmen von Gut und Böse, der von übernatürlichen Kräften und Wesen handelt. Der Antichrist ist das Böse, das Teuflische der Täuschung, das sich in verschiedenen Kostümen und personifizierten Erscheinungen verbirgt und das Gute, das scheinbar Gute, dekadent unterwandert. Der Mythos kann aus verschiedenen Perspektiven und Inhalten, was das Böse ist, erzählt werden aufgrund seiner dualen und konträren Struktur. Goethes Mephisto hat es auf den Punkt gebracht:

Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das Gute schafft.“

Die Dialektik des Handelns wird im Mythos des Antichristen je nach politischer und ideologischer Position dessen, von wem die Geschichte erzählt wird, anders gedeutet. Der Co-Autor des Buches (Peter Thiel, Grenzgänger Verlag, 2026) T.Hübsch sieht Thiel aus der Sicht des Gläubigen selbst als „Antichristen“, der vorgibt Gutes zu tun, aber das Böse erschaffen will. Wie in der Dramen Figur Doktor Faust schlagen in Thiel zwei Seelen in der Brust:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust/ Die eine will sich von der anderen trennen; Die eine hält in der Liebeslust, sich an die Welt mit klammernden Organen/ Die anderen hebt gewaltsam sich vom Dust, zu den Gefilden hoher Ahnen.“ (Goethe, Faust I)

Aus dem Blick der Katholischen Kirche , die Peter Thiel zu einem Vortrag in Rom eingeladen hat, ist Thiel der Antichrist. „Die Zeitung der italienischen Bischofskonferenz nannte Thiel das Herz der Finsternis der digitalen Welt und warf ihm vor, eine KI gestützte Autokratie anzustreben.“ (Hübsch, S.277) Die Kirche warf ihm auch vor, den Niedergang der liberalen Demokratie zu beschleunigen, um die Macht einer technokratischen Elite zu sichern.

Diesem Urteil ist meinerseits nichts hinzuzufügen.

In der Adaption der „Nietzsche Version“ vom Antichristen erscheint der Antichrist als ein Gott der „décadence“. Als „Herr-Gott“, der die „Erhaltungskräfte des starken Lebens“ (Nietzsche) zerstöre. Sowohl Nietzsche als auch Thiel wollen einen neuen Typus züchten.

Nicht was den Menschen ablösen soll in der Reihenfolge der Wesen, ist das Problem, das ich hiermit stelle (-der Mensch ist ein Ende-) , sondern welchen Typus Mensch man züchten soll, wollen sie, als den höhenwertigen, lebenswürdigeren und zukunftsgewissen. Dieser hochwertige Typus ist oft genug schon dagewesen: aber als Glücksfall, als eine Ausnahme, niemals als gewollt…Aus Furcht heraus wurde der umgekehrte Typus gewollt, gezüchtet, erreicht: das Herdentier, das Haustier, das kranke Tier Mensch.“ (Nietzsche, Der Antichrist,Kröner Verlag Leipzig, S.116)

Peter Thiel möchte eine neue Reihenfolge der Wesen. Als Transhumanist spricht er von einem „Maschinen-Mensch der Künstlichen Intelligenz“, der kein Ende habe, Gott gleich sei.

Das ideologische Programm des „Libertarismus“ als extremes Freiheitsversprechen verkündet auch Zarathustra, der Einzigartige. Ein Freiheitsdiktum der Singularität, die jeglichen Dualismus aufhebt, ein Diktum, das der Liberalismus nicht erfüllen kann. Der so genannte Wirtschaftsliberalismus ist an der „Herr-Knecht“ Dualität von Kapital und Lohnarbeit gebunden, der politische Liberalismus an dem Gedanken universaler Freiheitsrechte des Individuums und seiner Menschenrechte. Der Liberalismus ist ein universalistisches Gedankengehäuse europäischer Aufklärung, das die individuelle Freiheit postuliert, die seine menschliche Würde ausmache (Kant).

Das „Herdentier“, der „kranke Mensch“, der seinen materiellen Bedürfnissen unterworfen ist, kann das Freiheitspostulat niemals einlösen. Es brauche , so Thiel, eine „Transformation“, um den technologischen und evolutionären Fortschritt nicht zu stören, will die Menschheit selbst nicht zugrunde gehen. Die in Maschinen verkörperte Mathematik habe eine virtuelle Realität mit Gewissheit errichtet, die der gesellschaftlichen Lebensform der Menschen und ihrer biologischen Zweckmäßigkeit ein Ende setzte. Eine „Endzeit“ sei angebrochen. Böse Kräfte menschlicher Natur treten zu einer Entscheidungsschlacht Armageddon gegen die Freiheit des Geistes an. Die KI habe schon neue Formen der Ökonomie erschaffen, die weder Lohnarbeit oder Marktwettbewerb erfordern; die Automation habe das gesamte Leben des Menschen schon umgestaltet. Ideologisch behindere der traditionelle Liberalismus diese technische Entwicklung von „O-1“.

Meiner Auffassung nach, ist der so genannte Transhumanismus eine extreme Form des Rassismus, der Machtkonzentration in wenigen Händen von Kapitalmagnaten und High-Tec-Unternehmern. Er dient der Propaganda einer zwangsläufigen Entwicklung.

Der Begriff KI symbolisiert die Vorstellung einer neuen Wesens Entität einer evolutionären Zwangsläufigkeit. Er verschleiert, dass KI ein Produkt der Kooperation menschlicher Arbeit ist, dass sie zu ihrer Existenz Materie benötigt und selbst einen Körper hat und Energie braucht. Der Begriff verschleiert auch, dass sie in privaten Händen eine ungeheure Aneignung gesellschaftlicher und fremder Arbeitskraft ist, die in manipulierter Form ein Herrschaftssystem und Monopol errichtet, zum Zwecke eigener Verwertung von Kapitalinteressen. Nun sind es nicht mehr „Der christliche Gott“(der ist tot) oder „Die Märkte“ (der Wettbewerb ist tot), sondern „Die Künstliche Intelligenz“, die das Gute auf die Erde bringt. (Eine US-KI spricht mit dem menschlichen Gegenüber in der ersten Person Singular: „ICH“ und bewertet und beurteilt aus „neutraler Faktenposition“)

Peter Thiel bezeichnet sich selbst als Antidemokrat, Libertärer, als Endzeitaktivist und Transhumanist. Seine Kumpane befinden sich in der US-Regierung und im Silicon Valley.

Sprach der Faschismus noch von einer „hochwertigen nordischen Rasse“ (Nietzsche, Spengler u.a.), so Thiel von der „Transhumanität“.

„Der Doppelgänger“

Auf dem Buchumschlag der deutschen Ausgabe von Norbert Wieners Cybernetics ist zu lesen: „Von lebenswichtiger Bedeutung“ sei die Kybernetik für Psychologen, Physiologen, Ingenieure, Soziologen, Philosophen, Mathematiker, Anthropologen, Psychiater und Physiker.

Kybernetik ist eine Metawissenschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der systematischen Einbettung von Physik, Chemie, Biologie und Mathematik in die us-amerikanische Kriegswirtschaft, ihrer wissenschaftlichen Beteiligung an der Waffenentwicklung und deren zivilen Konsequenzen ausging. Aus der Idee einer Einheitswissenschaft, die den Menschen als einen komplexen Funktionsmechanismus auffasst, der sich nicht prinzipiell von Maschinen unterscheide, bildete sich eine technizistische Sichtweise seit den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts als Kombination aus Neurophysiologie, Regelungstechnik, symbolischer Logik, Rechenmaschinen und Kriegswissenschaft heraus.

Wissenschaftshistoriker führen die Gründung der Kybernetik auf die so genannten Macy-Konferenzen zwischen 1946 und 1953 in New York zurück. Als „Steuermannskunst“ (gr. Kybernetik) untersucht diese Forschungsrichtung natürliche und künstliche Systeme in der Soziologie, Ökonomie, Technologie und Politik auf selbsttätige Regelungs- und Steuerungsmechanismen . Dabei geht man von einer analogen Modellbildung aus, die Rechenmaschine und Gehirn gleichsetzen.

John von Neumann (1903-1957), ein ungarisch-us-amerikanischer Mathematiker der mathematischen Logik, der Quantenmechanik und der Spieltheorie sowie der Hauptprotagonist der Macy-Konferenzen, gilt als der Vater der Kybernetik. Während eines Gesprächs im Jahre 1943 soll gesagt haben: „Nein, nein, du siehst das nicht richtig. Dein visualisierender Verstand kann das nicht richtig sehen. Du musst abstrakt denken. Was passiert, ist, dass der erste Differentialquotient identisch verschwindet und daher das, was sichtbar wird, die Spuren der zweiten Differentialquotienten ist.“ (in: McRae: Von Neumann, S.186) Eine gleiche Ableitung führt v. Neumann mit der Sprache der Mathematik durch. Die traditionelle Mathematik sei auf eine „im Zentralnervensystem verwendete Primärsprache aufbauende Sprache. So sind die äußeren Formen unserer Mathematik vom Standpunkt der Ermittlung der im Zentralnervensystem tatsächlichen oder logischen Sprache nicht absolut relevant.“ (Von Neumann, Rechenmaschine im Gehirn, 1960, S.77) Auf ähnliche Weise leitet Noam Chomsky die äußeren Formen menschlicher Sprachen aus eine „Ursprungsgrammatik“ im menschlichen Gehirn ab.

Erich Hörl und Michael Hagner schreiben in ihren „Überlegungen zur kybernetischen Transformation des Humanen“ (Die Transformation des Humanen, Beiträge zur Kulturgeschichte der Kybernetik, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 2008) , dass das Steuerungs- und Programmierungsversprechen des sozialen Verhaltens, politisch zugespitzt, die 1945 endgültig erloschene „liberale Hypothese“ von den Unterscheidungen wie Geist und Materie, Seele und Körper, Natur und Kultur und Mensch und Maschine abgelöst habe. „Übrig geblieben sei die Idee eines umfassenden Steuerungsgedankens, der sich in unserer Zeit vor allem im neoliberalen Geist fortschreibt.“ (S. 19)

Magaret Mead (1901-1978) , us-amerikanische Anthropologin und eine der Hauptprotagonisten der Macy-Konferenzen, sieht in der Anwendung der Kybernetik die Möglichkeit einer durchgreifenden Umformung der Gesellschaft, die auch eine Höherzüchtung menschlichen Lebens umfassen könne. Die Idee eines umfassend wissenden einzelnen Individuums wird geboren. Die Idee von Libertären, d.h. von extrem freiheitlichen Anarchisten, die „eigentlich“ in keiner Gesellschaft leben wollen und können, erobert die Gehirne der ehemals traditionellen Liberalen. Politisch treten sie als ultra wirtschaftspolitische Kapitalisten und Verehrer von Ayran Rand (1905-1982) auf, einer russisch stämmigen us-amerikanischen Schriftstellerin und Philosophin, die eine Variante des Libertarismus und eines uneingeschränkten Kapitalismus propagierte. Nicht nur manche Häuptlinge der Silicon-Valley-Giganten sondern auch ihre eifrigen Jünger in der Big-Data -Industrie sind heiße Verehrer ihrer Verheißungen. „Ich schwöre bei meinem Leben und bei meiner Liebe zum Leben, dass ich niemals um eines anderen Menschen willen leben, noch von einem anderen verlangen werde, um meinetwillen zu leben.“ (A,Rand,Wer ist Galt? , Gewiss Verlag, HH 1997, Kap.A., S.119) Ihr Buch „Atlas Shrugged“ wird pro Jahr seit der Finanzkrise 2008 in 500 000 Exemplaren verkauft.

Eine von Betreibern „Künstlicher Intelligenz“ oder, besser gesagt, kybernetischer Maschinen in den USA beabsichtigte und angebotene technokratische Anwendung der KI (z.B. Palantir) wird zudem noch mit dem Mythos eines Technologismus verbunden. Die „Transformation des Humanen“ sei angesichts der globalen Krisen, Kriege, des Niedergangs des Liberalismus und seiner globalen Ordnung sowie der Komplexität menschlicher Gesellschaften und ihrer Politiken notwendig geworden. Diese Notwendigkeit entspringe der Evolution und der ihr zugrundeliegenden Überlebenskampfes, sowie der Ideen des Glücks, des Friedens und des Wohlstandes. Der Libertarismus sei angesichts dieser Zustände eine Überlebensfrage. Die Ideologien des Liberalismus und des Neoliberalismus, dass offene Märkte und liberale Demokratien die Freiheit des Individuums garantieren, wird durch einen radikalen Libertarismus und durch die Ordnungsmacht abstrakter apolitischer, asozialer und antidemokratischer Kybernetischer Maschinen ersetzt. Eben durch Robotersysteme. Sowohl der wirtschaftliche als auch der politische Liberalismus scheinen nicht mehr die Krise des globalen Privatkapitalismus bewältigen zu können und auch die extreme Ordnungsmacht des Faschismus hat seine politische Autorität angesichts seiner Vergangenheit verloren. Es muss ein neutraler Avatar diese wissenschaftliche gesteuerte Ordnungs- und Kontrollmacht zum Schutze der einzelnen Individuen übernehmen. Das menschliche Wesen,“ human- being“, müsse seine Identitäten nicht mehr in natürlichen und sozialen Gegebenheiten suchen, sondern im schöpferischen Selbst, und eine andere „Zivilisation“ in einer entmaterialisierten Welt gründen: „No Family, No Nation, No Work“ – das sind die Parolen der Libertären. Als Peter Thiel von einem Journalisten der New Yorker Times gefragt wurde, ob er die Menschheit „abschaffen“ wolle, fing er an zu stottern. Er wolle nur den Antichristen abschaffen. Wusste der Journalist nicht, dass der Mensch immer auch Antichrist ist?

Die Vertreter dieser Idee vom“neuen Menschen“ oder Hybriden neigen der philosophischen Lehre der Noologie zu, die eine selbständige, von materiellen und psychologischen Momenten unabhängige Existenz des Geistes annimmt. Vorläufer dieser Denkweise finden sich in der europäischen Kultur reihenweise.

Im Oktober 1940, als der Endsieg noch so nahe schien, hielt der andere „Vater der Kybernetik“, Hermann Schmidt, vor dem wissenschaftlichen Beirat des Vereins Deutscher Ingenieure in Berlin einen Vortrag zum Thema „Regelungstechnik. Die technische Aufgabe und ihre wirtschaftlichen, sozialpolitischen und kulturpolitischen Auswirkungen.“ Dort sagte er: „Mitten im zukunftsgewissen Erleben des Entstehens des großen Sozialstaates erhält der Techniker in der Forderung der Regelungstechnik also einen sozialpolitischen Auftrag höchster Verantwortung.“ (Hagner/Hörl, S.49) „Mit dem Ingenium der Technik sollten deutscher Geist, Kultur und Bildungsanstalten betriebsbereit gemacht werden für den deutschen Endsieg und die vollständige Herrschaft über Europa.“ (Hagner/Hörl, s.50)

Heute wird von den Big-Data-Eigentümer und Technofeudalisten nicht mehr ein nationaler Geist bemüht und in Anschlag gebracht, sondern ein Geist der „Singularität“. Die Auswirkung der Regelungstechnik, die ein autonomes Funktionieren der Maschine garantiert, beende die Unterwerfung des Menschen unter die Maschine und setze das Subjekt in Freiheit.

Wenn sich dieser Hybride mit seinem Avatar in ständiger Beziehung setzt, so ist dieser Solipsismus (= erkenntnistheoretischer Standpunkt, der nur das eigene Ich mit seinen Bewusstseinsinhalten als das einzig wirkliche zulässt und alle anderen Ichs mit der ganzen Außenwelt nur als dessen Vorstellung annimmt) ein Ausdruck des Wahnsinns. In diesem Zusammenhang ist „Der Doppelgänger“ von Fjodor Dostojewski höchst aktuell.

Die bürgerliche, auf der Freiheit der Rechtsperson beruhende Zivilisation käme zu ihrem Ende. Und übrigens: Was geschieht mit der Rasse Mensch ? Ein Menetekel puren faschistischen Horrors erscheint in meinem Bewusstsein.

Der finanzimperiale und KI gesteuerte Leviathan

Das Chaos Ungeheuer

„Alles Kapital dient nur zum Unterhalt produktiver Arbeit. Gleiches gilt für den Wert, den diese Verwendung dem Ertrag am Boden und Arbeit eines Landes hinzufügt.“  (Adam Smith)

„Das Kapital ist also keine persönliche, es ist eine gesellschaftliche Größe.“  (Karl Marx)

Angesichts einer aufstrebenden, sich sozialistisch nennenden Großmacht China und angesichts eines im Niedergang befindlichen US-Imperium, das die Souveränität fremder Staaten mit völkerrechtswidrigen Kriegen, Sanktionen, Regierungswechseln bedroht, lohnt es sich einen Blick auf die Ökonomiegeschichte der „kapitalistischen Produktionsweise“ zu werfen. Die globale Herrschaft der Finanzmärkte unter der Hegemonie der USA über die kapitalistische Produktion und die Finanzialisierung von Wertpapieren durch Fiat Geld der Zentralbanken haben den Niedergang des Kapitalismus in den USA herbeigeführt, indem sie die „dienende Funktion“ des Leihkapitals (des „zinstragenden Kapitals“, Marx) für die produktive, gesellschaftlich organisierte Arbeit und Wertschöpfung systematisch zerstört haben. Die USA sind dem Angebot Chinas bereitwillig gefolgt, Industrieproduktion und Kapital nach China auszulagern. Dies lag im beiderseitigem Interesse. Es hat gleichsam einen Austausch von Produktionsgütern von den USA nach China und Konsumgütern von China nach den USA gegeben. Nun ist China die „Werkbank“ der Weltwirtschaft, führend in der Technologie und digitaler Infrastruktur und „Künstlicher Intelligenz“, kurzum der Wertschöpfung, in der Klimapolitik und Friedenspolitik und hat vor allem mit Hilfe der „kapitalistischen Produktionsweise“ (Karl Marx) den sozialen Fortschritt bewerkstelligt, Arbeitsplätze geschaffen und die Armut im Land drastisch verringert und die soziale Infrastruktur eindrucksvoll voran gebracht. Ein Erfolgsmodell! Während in den USA das Kreditwesen, vor allem anderen, den Aufbau einer digitalen Infrastruktur und eine so genannte „Künstliche Intelligenz“ finanziert hat und die soziale Infrastruktur der Städte an die Wand gefahren wurde, wo große Armut grassiert. 

Seit dem 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hat die „klassische“ Ökonomie den Wert des Kapitals im Aufbau der Industrie, der Entwicklung der Produktivkräfte und des nationalen Wohlstands gesehen. Sie war ein Gegenentwurf zur agrarischen Produktionsweise der Hauswirtschaft, und der Rentenwirtschaft aristokratischer Grundeigentümer und zur Vorstellung des Merkantilismus, die Macht des Staates durch einen Handelsüberschuss, durch Protektionismus und durch eine Kolonialwirtschaft mit günstigen Rohstoffen zu stärken.

Die These ist nicht leicht von der Hand zu weisen, dass China der „klassischen Ökonomie“ folgt und die USA zurückkehrt zur Rentenwirtschaft in anderer Form als der Grundrente und des Merkantilismus.

Adam Smith (1723-1790) definiert Kapital als ein Vermögen, das in verschiedenen Formen funktioniert: als „Sachkapital“ (Maschinen, Werkzeuge etc.) und als „Umlaufvermögen“ und „Anlagevermögen.“ Arbeitsteilung, so Smith, ist die Ausgangskategorie seines epochalen Werkes „Wohlstand der Nationen“ (WN). Sie ist eine Produktionskraft. Die Arbeitsteilung entstehe „zwangsläufig,…, aus einer natürlichen Neigung des Menschen, zu handeln und Dinge gegeneinander auszutauschen.“ ( WN ) Unter diesem „Prinzip“ des Handels und des Austausches, das der Arbeitsteilung zugrunde liege, können angesparte  Warenbestände (engl. Stocks) als Produktionsmittel und Kapital fungieren, wenn man sie zu „Diensten“ für Arbeit Suchende anbiete. Unternehmer und Arbeitgeber arbeitet dann mit „Arbeitnehmern“ arbeitsteilig zusammen. Der „Lohn ihrer Arbeit“ bestehe im Profit und im Arbeitslohn

Diese Art von Arbeitsteilung ist eine gesellschaftliche. Die industrielle Produktion eine gesellschaftliche zwischen Kapital und Arbeit. Marx bezeichnet diese gesellschaftliche Produktionsweise als kapitalistische Produktionsweise. Kapital ist hier der Ausdruck einer ökonomischen Kategorie und einer bestimmten Form gesellschaftlicher Arbeitsteilung.

Während Warenbestände (stocks) Arbeitsmittel und Geld Tauschmittel und Zahlungsmittel sind, schafft allein Arbeit Werte.  „Arbeit ist allein somit der letzte und wirkliche Maßstab, nachdem der Wert aller Waren zu allen Zeiten und allen Orten gemessen und verglichen werden kann, da sie sich niemals in ihrem Wert verändert. Die Arbeit ist ihr wirklicher oder realer Preis, Geld lediglich ihr nominaler.“ (A.Smith, WN)

Ohne en Detail auf die klassische Werttheorie der Waren als Gebrauchswerte und Tauschwerte wie auf ihre Werttheorie der Arbeit an dieser Stelle eingehen zu können, stellt Smith ein Kreislaufmodell von Produktion und Konsumtion vor, das über den Markt als Verteilungssystem miteinander vermittelt ist. Wer über einen hinreichend großen Konsumstock verfügt, kann daraus ein Einkommen ableiten, das über den Verbrauch des persönlichen Lebensunterhaltes hinaus es ermöglicht, Kapital zu bilden und der gesellschaftlichen organisierten industriellen Arbeitsteilung zur „Verfügung“ zu stellen. In der eigenen Arbeit, so Smith, wie im Verzicht und Ersparnis liegen die Quellen des Kapitals und des Kapitaleigentums. Der Profit ergebe sich aus der Differenz zwischen Wert des verkauften Produkts und dem Wert, der aus seinem Kapitalstock vorgeschossen wurde.

Nach klassischer Ökonomie ist der Produktionsprozess der kapitalistischen Produktionsweise der Ort des Verwertungsprozesses des eingesetzten Kapitals. Der Geldkredit stimuliert und dient dem industriellen Kapital.

Eine dritte Einkommensart ist die Grundrente. Sie sei ein Monopolpreis und stelle einen Abzug vom Ertrag der Pächter dar. „Ihrer Natur nach (ist) sie ein Monopolpreis. Sie steht überhaupt nicht in Bezug zu dem, was der Grundherr zur Verbesserung des Bodens aufgewendet haben mag oder was er sich nehmen kann. Sie ist vielmehr davon abhängig, wieviel der Pächter aufbringen kann.“ (Smith WN) 

Rente ist nach A.Smith ein Einkommen, das ohne Beteiligung an gesellschaftlicher Arbeitsteilung und produktiver Arbeit erzielt werde und aus der Sicht der Werttheorie des Industriekapitalismus ein „Raub am Reichtum der Nation“ ist.

Karl Marx (1818-1883) Ansatz unterscheidet sich von dem seiner liberalen werttheoretischen liberalen Kollegen durch seine strukturelle und sozialökonomische Analyse wie durch seinen historischen Vergleich mit anderen Formen der „Aneignung fremder Arbeit“. Dadurch begreift Marx die „kapitalistische Produktionsweise“ auch als ein Produktionsverhältnis und die Ökonomie als eine Politische Ökonomie.

„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, der einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen.“ (Marx)

(Manche westlichen,„marxistischen“ Kritiker Chinas und Vertreter des „reinen Sozialismus“ sollten diese berühmte Passage noch einmal lesen und überdenken!)

Im Gegensatz zu Adam Smith geht Marx nicht von einem naturrechtlichen Prinzip der Arbeit eines Einzelnen und der daraus entstandenen gesellschaftlichen Arbeitsteilung aus. Marx vertritt auch kein Kreislaufmodell, sondern ein sozial und historisch fundiertes Entwicklungsmodell, das als Ausgangspunkt der Analyse die „Anatomie“ der „kapitalistischen Produktionsweise“ und ihr kapitalistisches Produktionsverhältnis und ihren Markt empirisch beschreibt und vergleichend mit historischen Formen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung untersucht. Dieses Entwicklungsmodell ist kein deterministischer Geschichtsprozess.

„Die Expropriation ist der Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktionsweise, ihre Durchführung ihr Ziel, und zwar in letzter Instanz die Expropriation aller einzelnen von ihren Produktionsmitteln, die mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion aufhören, Mittel der Privatproduktion und Produkte der Privatproduktion zu sein, und die nur noch Produktionsmittel in der Hand der assoziierten Produzenten, daher ihr gesellschaftliches Eigentum sein können… Die Expropriation stellt sich innerhalb des kapitalistischen Systems selbst in gegensätzlicher Gestalt dar, als Aneignung des gesellschaftlichen Eigentums durch Wenige; und zwar der Kredit gibt diesen Wenigen immer mehr den Charakter reiner Glücksritter.“ (MEW; Bd.25, S.451f.)

Gleichsam prophetisch liest sich diese Ausführung. Man betrachte das finanzimperiale und KI getriebene Ungeheuer in den USA. Oder lese die Bücher des „Antichristen“ und Faschisten Peter Thiel, Ideologe des so genannten Silicon Valley Netzwerkes, der auch politischer Ziehvater des US-Vizepräsidenten Vance ist. 

Die Aktiengesellschaft und das Kreditwesen, so Marx, stelle eine erste Erosion privatkapitalistischer Produktionsweise dar. Der Profit nimmt die Form des Zinses an. Der Profit erscheint nicht mehr als Resultat des Verwertungsprozesses der kapitalistischer Produktion. Das Kapital ist nicht mehr an das Privateigentum an den Produktionsmitteln gebunden.

Wo das „konstante Kapital“ (Marx), also Maschinen, Rohstoffe, Werkzeug etc., in so ungeheurem Verhältnis zum „variablen“ Kapital der wertschöpfenden (menschlichen) Arbeitskraft steht, sodass die allgemeine Profitrate tendenziell fällt, entwickelt sich ein Kreditwesen der Banken und anderer Kapitalsammelstellen (z.B. Black Rock u.a.) des „zinstragenden Kapitals“ (Marx), das nicht mehr in die Ausgleichung der allgemeinen Profitrate eingeht. Es entsteht eine Finanzaristokratie, die in einem Interessenkonflikt mit der industriellen Bourgeoisie steht. Es entstehen neue Formen von Finanzmärkten. Das Aktienwesen vernichtet strukturell die Privatindustrie und der Kredit „bietet innerhalb gewisser Schranken absolute Verfügung über fremdes Kapital und fremdes Eigentum und dadurch über fremde Arbeit.“ (Marx) National und international.

Seit der Theorie des Grenznutzens Mitte des 19. Jahrhunderts und der anschließenden Neoklassik hat die klassische Werttheorie keine Rolle mehr in der Ökonomiegeschichte gespielt. Mit einer Ausnahme: J.M.Keynes versuchte eine Brücke zwischen Klassik und Neoklassik zu schlagen, zwischen klassischer Werttheorie und der in Mode geratenen monetären Werttheorie und Zinstheorie. Seine Theorie wurde zumeist von der Sozialdemokratie vertreten. Die seit der Dominanz des Finanzkapitals herrschende mathematische Modelltheorie der Neoklassik verwendete den klassischen Begriff des Produktionswertes nicht mehr. Er erscheint in der Form als Produktionskosten. Preis und Wert sind identische Faktoren der Marktprozesse. So z.B. verändert sich der klassische Begriff des Mehrwertes heute in einen Aufschlag auf die Kosten. 

Je umfangreicher der Kredit als Treibstoff wird und toxische Wertpapiere die Finanzmärkte beherrschen, die Verschuldung der Staaten, Unternehmen und privaten Haushalte zunimmt, um so mehr fällt der Profitanteil und die industrielle Investitionsrate in die kapitalistische Produktion. Es entsteht ein Überangebot an Geld, sodass die Zinssätze wie nach der Finanzkrise 2008 bis auf 0% und darunter fallen. Um den Zusammenbruch des kapitalistischen Systems zu vermeiden und damit vor allem das Finanzimperium der Finanzaristokratie zu retten, haben westliche Zentralbanken neues  Geld in die Finanzmärkte gepumpt. Die Triebkraft des Profits und der Schmierstoff des Kapitalismus löste sich auf. Der enorme Geldzufluss durch die Zentralbank FED hat den Aufbau eines Cloud-Kapitals hervorgebracht (Varoufakis); durch die 0 Prozent Zinspolitik finanziert. In den USA entstand eine digitale Industrie mit eigener Infrastruktur im Verbund mit der Finanzindustrie. Aus diesem Verbund entwickelte sich ein börsennotierter „Reichtum auf Papier“ – das Marx  „fiktives Kapital“ nennt und sehr volatil ist. Ihre Eigentümer seien, wie Marx sagt, „Glücksritter“. Die Eigentümer des Cloud-Kapitals generieren Renten. Dieses System nennt  Varoufakis „Techno-Feudalismus“. Dieser finanzgetriebene Rentenkapitalismus tötet den Industrie-und Profitkapitalismus samt der Marktwirtschaft. Eine globale Großbourgeoisie befindet sich im Aufbau eines privat gesteuerten Finanz und KI gesteuerten Imperiums, das die Souveränität von Staaten zerstört, wirtschaftliche und politische Macht in wenigen Händen privat und effizient steuert. 

Das Ende der bisher vorherrschenden Ideologie des Liberalismus ( eine Ideologie des industriellen Kapitalismus) ist eingeläutet und ihr radikaler Bruder Faschismus tritt in einer neuen Form als unmittelbare Diktatur des Kapitals wieder auf die Weltbühne. 

Goldman & Sachs hat ein Index „für nicht profitable Technologien“ herausgebracht. Und der Antichrist und Cloud-Ideologe Peter Thiel, im Interessenverbund mit dem Faschisten Elon Musk, postuliert zutreffen das Ende des Liberalismus. „Der Wettbewerb ist etwas für Verlierer.“ Der CEO von Palantir, ein KI-gesteuertes Überwachungsprogramm, Alex Karp, Vertrauter von Peter Thiel, unterstützt vollumfänglich das US-Militär. Mit Palantir regieren die US- und israelische Regierung. Karp meint, allein Militäraktionen und Kriege der USA könnten den Aufbau dieser „Neuen Welt“ vor ihren Feinden Russland und China und den BRICS-Staaten schützen und den Dollar retten.

Diese Ökonomie der„Neuen Welt“, die in ihrer Konzentration dem Faschismus in vielen Belangen ähnelt, bezeichnen viele als „Platformökonomie“, die offene Märkte schließe, reguliere und kontrolliere. Neue Kapitalsammelstellen in den USA verwalten Aktienwerte, die genau dem Nationaleinkommen der USA oder dem Nationaleinkommen von China und Japan oder der Summe sämtlicher Nationaleinkommen der EURO-Zone, des UK, Australiens und der Schweiz entsprechen. Black Rock verwaltet 10 Billionen Dollar an Investitionen, Vanguard 8 Billionen Dollar und State Street 4 Billionen Dollar. Die „Banksozialisten“ feiern den „Sozialismus der Banken“ und die „Emanzipation des Kapitalismus von den Profiten.“ (Varoufakis)

Caligula – is back

Der Hegemon ist krank, konfus und vom Exzeptionalismus besoffen. Die westliche Zivilisation braucht eine 3. Aufklärung.

Anstelle meines monatlichen Artikels und meiner Analysen möchte ich auf folgende hinweisen:

  • Prof. Steve Starr ( USA ).: „Warum erringt Iran die Oberhand. USA ohne Plan.“ You Tube: Neutralität Studies Deutsch

Ähnliche Analysen äußern die bekannten US- Wissenschaftler Jeffrey Sachs und Mearschheimer wie viele andere US-Analysten.

  • Globalbridge: „Warum Iran bereits den Krieg gewonnen hat.“ Eine historische und politische Analyse von Patrick Ringgenberg in: Geschichte, Militär, Politik, Wirtschaft.
  • Wolfgang Roeb: „Die Kraft der Guten:“ Eine ideologiekritische Betrachtung bürgerlich-christlicher Zivilisation in Europa. GRIN Verlag.

Das Buch analysiert anhand von Quellen traditionelle Denkmuster in Mythen, Philosophien der Ersten und Zweiten Aufklärung sowie Ideologien des Liberalismus, Sozialismus und Faschismus vor dem Hintergrund Jahrhunderte währender Kriege, Kolonialismus, Imperialismus und Ausbeutung in und durch Europa.

Im nächsten Monat werde ich einen Vergleich der ökonomischen Klassik und der Neoklassik vorlegen. Der erste Teil wird sich mit Adam Smith und Karl Marx beschäftigen, beide Autoren der Politischen Ökonomie ( Karl Marx ) und der Nationalökonomie (Adam Smith ) . Beide sind Autoren der Klassik und der wechselseitigen Verbindung von Produktion und Konsumtion/Reproduktion wie der Werttheorie.

FINANZKAPITAL- OLIGARCHIE – ZERSTÖRUNG

                                       

Geld in seiner Warenform, nicht als Äquivalent, ist Geldkapital oder Kreditgeld. Es ist eine abstrakte Wertgröße, die einen Wertzuwachs darstellt und als Zins und Zinseszins erscheint. Kreditgeld ist Finanzkapital.

Das Finanzkapital hat seine Funktionen im Verlaufe seiner Existenz geändert und sich entwickelt als eine neue, antizivilisatorische Quelle der Kapitalakkumulation.

Als industrielle Investition ist das Finanzkapital mit der industriellen Warenproduktion direkt verschmolzen. Es erscheint als Anteil am Profits. Es trägt zudem dazu bei, die Monopolisierung der industriellen Konzentration und Zentralisation des Sachkapitals zu beschleunigen. Es erfüllt die Funktion eines Schmieröls in der kapitalistischen Produktionsweise. Es hat „dienende Funktion“. 

Das Finanzkapital tritt auch in seiner „fiktiven“ Funktion auf als spekulatives Kapital. Es tritt als Anleihe auf. Geldkredit als Leihe ist kein Finanzkapital. 

Die Bewirtschaftung des Finanzkapitals hat im Laufe seiner Geschichte zur „Finanzialisierung“ aller Lebensbereiche des privaten und gesellschaftlichen Lebens geführt. Der Neoliberalismus ist ideologischer Ausdruck und Theorie des Finanzkapitals. Grundlage für diese Ausweitung seiner Funktionen stellt die Technologie der Sammlung und sofortigen Verfügbarkeit aller möglichen Daten dar. Diese Hochtechnologie der Datenerfassung stellt die adäquate Maschine für das Finanzkapital dar, weil sie nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch zukünftige, noch nicht materialisierte Gewinne analysieren kann. 

Die private Kapitalisierung des Finanzkapitals hat im Zuge und auf Grundlage des industriellen Kapitals ebenfalls zu einer Zentralisierung und  Konzentrierung des Kapitals geführt. Das Privateigentum des industriellen Kapitals, des Handels und der Dienstleistung tendiert aufgrund der Konkurrenz privater Kapitalien zur Monopolisierung großer Unternehmungen. Das gilt ebenfalls für die Banken als Geldgeber und andere Kapitalsammelstellen und Verwaltungsinstitutionen. Diese Tendenz zur Monopolisierung hat nicht nur dazu geführt, das Privateigentum  ursprünglich einzelner Kapitalisten (Familienbetriebe) zu vergesellschaften und auf nur noch wenige Kapitalisten zu konzentrieren, sondern auch dazu, dass Finanzkapital staatliche Funktionen ausgeübt hat. Außerdem hat es eine Institution geschaffen, die nicht nur Kapital verwaltet, selbst als Großinvestor auftritt (ETF-Aktien), mit digitaler Hochtechnologie Daten analysiert und Finanzprodukte anbietet. (Black Rock,) Vanguard als der andere große Vermögensverwalter, selbst Anteilseigner mit 9% bei Black Rock, vertritt nur Fonds und ist nicht an der Börse notiert und deshalb, im Gegensatz zu Black Rock, auch juristisch nicht rechenschaftspflichtig. Vanguard ist sozusagen bloße Finanzstruktur und reine Kapitalrente ( „ökonomische Rente“ ). Man kennt seine Eigentümer nicht.

Das private Finanzkapital ist international tätig. Seine Privateigentümer sind transnational. Seine Großinvestoren und Spekulanten bilden eine gesonderte Kapitalistenklasse, eine Rentenoligarchie,  mit unterschiedlichen Verwertungsinteressen ihres Kapitals gegenüber jenen der Eigentümer in der Realwirtschaft. Seine Organisationen als juristische Personen sind national.     

Die operative Verselbständigung des privaten Finanzkapitals ist eine weitere Erscheinung. Es hat seine dienende Funktion in eine eigene Verwertbarkeit überführt, indem es Kapital akkumuliert über die Maximierung von Börsenwerten und über die Dividendenausschüttung für Aktionäre durch Aktienrückkäufe. Ein weiterer Grund liegt auch im Ausbau des Handels mit Derivaten, der Devisenspekulation und anderen Zinsgeschäften, z.B. des Immobilienmarktes. Gemessen am BIP und den Unternehmergewinnen hat in manchen Staaten der Finanzsektor den größten Anteil. Die Kehrseite ist indes, dass er ein Wachstumstreiber der Schulden für Staaten, Unternehmen und Haushalte ist und die Entwicklung produktive Arbeit (Wertproduktion) verhindert.  

Marx hat das Kreditwesen als ein „Haupthebel“ der „Überproduktion und Überspekulation“ benannt. (Das Kapital, Bd.3, S.457)  Es ist auch im 20. und im 21. Jahrhundert für Weltwirtschaftskrisen verantwortlich, wie auch schon zuvor für Kriege. 

Europäische Banken haben im 19. Jahrhundert die Industrialisierung der USA mitfinanziert. Das Finanzkapital war international. Andererseits haben nationale Banken nationale Industrien und nationale Infrastruktur finanziert. (Siehe Deutsche Bank/ Dresdner Bank) Das Kreditwesen trug in dieser Phase dazu bei, die industrielle Technik, seine Entwicklung und die nationale Warenproduktion zu finanzieren wie deren Export. Während kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges in den USA 1913 die Zentralbank FED entstand, die über ihre Funktion, die Währung zu stabilisieren, hinaus auch Finanzgeschäfte des Staates tätigen konnte, kristallisierte sich das Finanzkapital zu einem staatlichen Akteur auf dem Finanzmarkt. Als während des Ersten Weltkrieges der US-Staat den Krieg der Alliierten finanzierte, wandelte sich der Staat zu einem Gläubiger von Staaten, dessen Interesse es war, seine Kriegsinvestitionen mit Zins und Zinseszins  mit Hilfe von Reparationen und Schuldentilgung zu kapitalisieren. Dabei halfen ihm die US-Großbanken. J.P.Morgen § Co. spielte bei der Kriegsfinanzierung eine große Rolle sowie bei der Umstrukturierung deutscher Reparationen im Dawes Plan 1924. Weitere Großbanken waren im Kriegsgeschäft tätig. Die National City Bank (später Citybank), die Chase National Bank (heute Teil von J.P.Morgan) und die Guaranty Trust Company of New York, die später auch mit J.P.Morgen fusionierte. Sie engagierte sich stark im internationalen Geschäft und bei Auslandskrediten. Diese Banken waren maßgeblich an der Finanzierung des europäischen Wiederaufbaus nach dem Ersten Weltkrieg, der Handelspartnerfinanzierung und der Umschuldung von Kriegsschulden beteiligt. Sie profitierten von der Schwäche europäischer Banken und der Verschiebung des Finanzzentrums von London nach New York. Die FED unterstützte diese Internationalisierung der US-Banken erstmals aktiv.

In dieser Phase ist die USA zu einem Finanzimperium geworden. Es hat die Schranken nationaler Gebundenheit aufgehoben. Die Phasen der Weltwirtschaftskrise 1927 zeigt die beherrschende und zentrale Rolle des Finanzkapitals. Auf eine „Überspekulation“ in den USA folgte eine Krise des internationalen Finanzkapitals und seiner Banken, die eine Wirtschaftskrise auslöste, die die industrielle Produktion zum Erliegen zwang und Massenarbeitslosigkeit und Elend hervorbrachte. Besonders in den USA. 

Die Weltwirtschaftskrise 1929 war ihrerseits der erste Schritt in Richtung des Zweiten europäischen Krieges, weil die USA eine nationale Wirtschaftspolitik betrieb, ihre Kriegskredite von den westlichen Alliierten zurückzufordern und die ihrerseits wiederum ihre Schulden mit Hilfe der deutschen Reparationen zu bedienen trachtete. Der Nationalismus in Europa in seiner radikalsten ideologischen Form des Faschismus feuerte neue Aufstände an.

„Wir müssen die Ursprünge der Katastrophe im Aufstieg und Fall der Marktwirtschaft suchen. (…) Marktwirtschaft, Freihandel und Goldstandard waren englische Erfindungen. In den zwanziger Jahren brachen diese Einrichtungen allerorten zusammen – in Deutschland, Italien oder Österreich war dieser Zusammenbruch nur stärker politisch geprägt und dramatischer….die langfristigen Faktoren, die diese Zivilisation zerstörten, müssen an der Geburtsstätte der industriellen Revolution, England, untersucht werden.“ ( Karl Polanyi, The Great Transformation, 1944 geschrieben, Suhrkamp taschenbuch 1978, S.55) Polanyi fährt fort, der Marktwirtschaft liege das Prinzip eines Systems des selbstregulierenden Marktes  und jenes des daraus folgenden Prinzips des Gewinnstrebens zugrunde, das eine ganze westliche Zivilisation erfasst habe. Michael Hudson hat diese Polanyi These spezifiziert, indem er den Finanzkapitalismus als den Verursacher für den Niedergang der westlichen Zivilisation verantwortlich macht. Eine sehr gute Zusammenfassung seiner Auffassungen ist zu sehen auf: You Tube, Glenn Diesen: Michael Hudson: Das Schicksal der Zivilisation- Finanzwahn und Zusammenbruch. 

Ich hoffe, dass nach dem ökonomischen Zusammenbruch einer so genannten liberalen und globalen regelbasierten Wirtschaftsordnung und dem ökonomischen Niedergang des US-Imperiums der „Trumpismus“ „Make Amerika Great Again“ , gleichsam eine Reminiszenz der 20.er Jahre des 20. Jahrhunderts, nicht der Beginn des wahrscheinlich Letzten Krieges und Folge der zwei ersten Weltkriege wird. „Völker hört die Signale…!!!         

„Eigentum ist wichtig“

( Donald Trump )

Vor Journalisten der New York Times eröffnet Präsident Trump sein politisches Credo. „Das Eigentum ist wichtig, weil ich es psychologisch wichtig finde für den Erfolg.“

In der Tat, es nicht nur psychologisch sondern auch, juristisch garantiert, die Grundlage für den privat organisierten Kapitalismus: das Privateigentum der Kapitalbesitzer. Trump betont, er brauche kein „internationales Recht“. Seine Handlungsmaxime sei seine „eigene Moral“ und „sein Verstand“. Während Kant von einer Autonomie der „reinen Vernunft“ spricht, die kategorisch eine Handlungsmaxime gebiete („Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne), so geht Trump realistisch von seinem Verstand aus und wandelt Kants transzendentalen Moralkodex des Kategorischen Imperativ in realistischer Form um: Ich handle so, dass die Maxime meines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.

Als gewählter Präsident der USA vereinigt er öffentliche und eigene Interessen in seiner Person als Präsident. Diese Identität des Bürgers charakterisiert par excellence den Bourgeois im libertärem Gewand wie auch ein politisches Führungsprinzip : I Make Amerika Great Again. Trump ist ein Outlaw, der die wirtschaftlichen und globalen Interessen von Milliardären der Finanzindustrie und jenen in der High-Teck-Industrie wie seiner eigenen familiären Interessen politisch konsequent und rabiat in Zeiten imperialer Not vertritt.

Das US-Imperium steckt in einer veritablen Krise und ist im Niedergang begriffen. Die USA haben 34 Billionen Dollar Staatsschulden, d.h. 123% des nationalen BIP. Die öffentlichen Schulden betragen 27 Billionen Dollar, die von privaten Anlegern und von ausländischen Staaten (Japan, China u.a.) gehalten werden. Die Wahrung „nationaler Sicherheitsinteressen“ weltweit durch das imperiale Militär, der US-Propaganda und des Deep State hat das Imperium überdehnt. Besonders der Petrodollars hat es möglich gemacht, diesen Schulden-Everest anzuhäufen. Seit dem Jahre 1974, nach Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems, haben die USA die OPEC dazu genötigt, das Erdölgeschäft in Dollar zu bewerten und im Dollar den Welthandel des Öls zu bepreisen. Der Petrodollars ist dann wieder im Rückfluss in die US-Finanzindustrie und in den Kauf von US-Staatsanleihen geflossen.

Trump setzt drei Hebel zur Verwirklichung seiner faschistischen Politik ein:

  1. Kriegspolitik unter dem Motto: „wenn nicht friedlich zu erreichen ist, was ich will, dann mit Gewalt“. Trump hat 1,5 Billionen Dollar für das Kriegsministerium im Haushalt bereitgestellt. Ein Budget, das alle anderen weltweit zusammen überflügelt.
  2. Wirtschaftskrieg als Waffe (Zollpolitik) oder als Strafe (Sanktionen) gegen Staaten, in der Art eines Würgegriffs. Grönland Politik, z.B.
  3. Rohstoffkrieg um (Preis)Kontrolle und den Zusammenbruch des Dollars aufzuhalten. Venezuela, z.B.

Der Krieg um Rohstoffe wird entweder direkt oder indirekt gegen Mitglieder der BRICS und deren Anwärter geführt oder ist beabsichtigt in der Ukraine, in Afrika und Südamerika. Der Neokolonialismus soll aufrecht erhalten werden wie die dem Westen genehme „Regelbasierte Ordnung“. Das Völkerrecht spielt dabei keine Rolle. Die Souveränität der Staaten muss gebrochen werden. Das haben schon frühere US-Administrationen getan. Trump macht es nun offensichtlich. In diesem Krieg spielt das Erdöl und die so genannten „Seltenen Erden“ eine zentrale Rolle. Die USA führen und führten Kriege gegen Libyen, Irak, Syrien,Iran,Russland, Nigeria und Venezuela.

Die Begründung für die Militäraktion in Venezuela führt noch einmal zum Ausgang dieses Artikels zurück. Die Verstaatlichung der Erdölquellen Venezuelas war Unrecht, weil sie Eigentum der USA gewesen seien, da sie durch us-amerikanische Eigentümer erschlossen worden seien.

Macht und Ideologie

(Nachtrag: Das Marx Zitat ist nicht veröffentlicht worden. Daher trage ich es nach)

Marx schreibt:

„Jede neue Klasse nämlich, die sich an die Stelle einer vor ihr herrschenden setzt, ist genötigt, schon um ihren Zweck durchzuführen, ihr Interesse als das gemeinschaftliche Interesse aller Mitglieder der Gesellschaft darzustellen, d.h. ideell ausgedrückt: ihren Gedanken die Form der Allgemeinheit zu geben.“

Marx, MEW Bd. 3, S.47

Macht und Ideologie

Illusion, Ignoranz und Ideologie sind die Heilige Bruderschaft der Realitätsverweigerung.

Während Illusion ein Zauberstab des Irrtums ist, Ignoranz ein Sproß der Dummheit, erwächst aus dem Humus der Ideologie Propaganda und in ihrem Gefolge Narrativ und Manipulation. Der Humus besteht aus moralethischem Universalismus, dessen Denkmuster binärer Natur ist.

Die im deutschen Idealismus zum Ausdruck gebrachte „abstrakte Allgemeinheit“ der das bürgerliche Staatsrecht konstituierenden Prinzipien der Freiheit und Gleichheit war ein geistiger Reflex auf die materielle Macht der bürgerlichen Klasse – ein Prozess „empirischer“ Allgemeinheit: losgelöst von diesem klassenbezogenen Zustand eine „abstrakte“ und formal rechtliche Allgemeinheit. Marx schreibt:

„Jede neue Klasse nämlich, die sich an die Stelle einer vor ihr herrschende setzt, ist genötigt, schon um ihren Zweck durchzuführen, ihr Interesse als ein gemeinschaftliches Interesse aller Mitglieder der Gesellschaft darzustellen, d.h. ideal ausgedrückt: ihren Gedanken in Form der Allgemeinheit zu geben.“

(Marx, MEW III, S.47)

Marx führt weiter aus, dass diese abstrakte Allgemeinheit andere nicht zur Herrschaft gelangten Individuen in den Stand setzen, entweder „sich in die herrschende Klasse zu erheben“, oder dass sich „später der Gegensatz der nicht herrschenden gegen die nun herrschende Klasse umso schärfer und tiefer entwickelt.“ (Marx, MEW III, S.47f.)

Universalismus und Kriegspropaganda

Der ehemalige Politiker Struck (SPD) ließ verlauten, Deutschland werde am Hindukusch verteidigt, als deutsche Truppen sich am Krieg der USA gegen die Taliban im Rahmen des ISAF beteiligten und von der UN dazu das Mandat erhielten. War Deutschland oder gar „wir“ und unsere Freiheit und Demokratie tatsächlich bedroht oder eben nur „abstrakt“ bedroht worden? Nach der Niederlage am Hindukusch und dem Abzug der USA aus Afghanistan brach unsere Demokratie nicht zusammen, auch nicht unsere politische Freiheit. Strucks Verlautbarung war Propaganda vom Feinsten, um Angst, Opferbereitschaft und Kriegsbereitschaft zu transportieren.

Universal sind Ideologien dann, wenn sie Prinzipien wie ein „Naturrecht“ behandeln, das unbedingte Normen kategorisch formuliert, die politische Rechtfertigungsfunktionen übernehmen. Christliche, auf Gott zurückgeführte Normen und Werte wie liberale, aus der menschlichen Vernunft stammende unbedingte und bedingungslose Werte und Normen waren Grundlage für die Kriege der Monarchien und liberaler Demokratien. Diese Werte stellen gleichsam eine „rote Linie“ dar, die vom Bösen schlechthin, von Autokraten oder Despoten im Besonderen oder von barbarische Gesellschaften bedroht werden und verteidigt werden müssen. Von diesem Standpunkt aus, sind unsere Kriege gerecht und wir die Opfer. Angefangen hat immer der Andere.

Der Nukleus der Freiheit des einzelnen Bürgers ist das Privateigentum. Dieses Privateigentum ist, wie Locke schreibt, ein universales natürliches Menschenrecht, das unter keinen Umständen zerstört werden darf. Es ist Resultat der „eigenen“ Arbeit und ermöglicht persönliche Freiheitsentscheidungen. Das Privateigentum muss verteidigt werden. US-Präsident Trump z.B. führt „seinen“ aktuellen Kriegszug gegen den souveränen Staat Venezuela und gegen den „Terror- und Drogenboss“ Maduro, um den us-amerikanischen Konzernen ihr venezolanisches Erdöl zurückzugeben, das ihr Privateigentum vor der Verstaatlichung der Erdölquellen gewesen war. Die Verstaatlichung der Ölquellen unter Chaves war aus liberaler naturrechtlich gestützter Ordnung natürlich „ungerecht“. Internationales und universelles Seerecht im Rahmen des Völkerrechts spielt propagandistisch keine Rolle. Da bombardiert man vor Ort kleine Boote, ermordet Seeleute ohne Gerichtsverfahren, kapert Öltanker und raubt das Öl. Von individuellen Freiheitsrechten und Menschenrechten ist nicht die Rede. Man kennt das schon seit 400 Jahren des Kolonialismus und Imperialismus liberal gesinnter Staaten.

Universale Ideologie besitzt keine Universalität gegenseitiger souveräner und freier Beziehungen.

Sie ist, wie gesagt, prinzipiell. So sind staatliche Sicherheitsinteressen stets selbstbezogen und nicht von gegenseitigem Interesse. Der Ukraine-Krieg legt davon Zeugnis ab. Universale Ideologie provoziert Krieg.

Schon die Raubzüge nach Zion, wo nach christlicher Legende die Wiederkehr Jesu, des Gesalbten, sich erneut ereignen werde und das „Land des Heils“ zurückkehre nach Zeiten wirtschaftlicher und seelischer Not wie dem Zusammenbruch einer alten Ordnung des Lehnswesens zu Beginn des Hochmittelalters, nannte man „Kreuzzüge“. Der Erste Kreuzzug entstand aus der Prophezeiung, dass diese Wiederkehr Jesus Christus , der „Heil(l)and“, unmittelbar bevorstehe. Doch zuerst müsse das Heilige Land für den Glauben zurückerobert werden. Die Raubzüge der Feldzüge unter dem christlichen Kreuz wurden als Pilgerfahrten mit Ablassgarantie empfohlen und verkündet. Der erste Kreuzzug war ein Feldzug von Rittern und Bauern, die ihr Heil im Morgenland suchten. Dann waren es Fürsten und Kaiser, vom Papst, dem Stellvertreter Gottes auf Erden, gefordert und verkündet.

Die Kreuzzüge wurden theologisch als „Heiliger Krieg“ dargestellt, das „Heilige Land“ vom Islam zu säubern und es dem „Herr-Gott“ zurückzugeben. Die christliche Ideologie etablierte einen Offenbarungsglauben für die „heilige Geschichte“. Im Gegensatz zur jüdischen Theologie, die das jüdische als ein von Gott erwähltes Volk definiert, eröffnet der Katholizismus politisch für die Monarchien eine neue Identitätspolitik. Eine Identität, die eine neue, weltumspannende christliche Gemeinschaft über die örtliche Enge feudaler Lebensverhältnisse und Abhängigkeiten hinaus zusammenschließt. Das Christentum wird zur weltumspannenden missionierenden Staatsreligion. Der Schlachtruf lautet Liebe, der in Amerika, Afrika und Asien überall zu hören ist. Liebe zu Gott und unter den Menschen zu verbreiten, ist die Losung des Christentums. Liebe sei Gottes-Wort und bedeute Friede. Das Christentum als Liebesreligion. Die Kolonialgeschichte des christlichen Europas ist weithin beschrieben worden. Das Orwellsche Diktum, dass „Krieg Frieden“, „Sklaverei Freiheit“ und „Unwissenheit Stärke“ bedeute, ist allen universalen Ideologien bis heute gemein, seien es „Liebes-Ideologien“ oder „Freiheitsideologien“.

Die moderne Freiheitsideologie aufgeklärter Gesellschaften setzt statt der Glaubensüberzeugung, eine „göttliche Vernunft“ existiere, die das Weltgesetz des Schöpfergottes ( lex aeterna/Dekalog) erzeugt habe, die philosophisch-rationale Überzeugung entgegen, dass der von den menschlichen natürlichen Bedürfnissen unabhängige Geist des Menschen nicht nur „Naturgesetze“ auf der Grundlage von Beobachtung, von Messung und Kausalität bestimmen könne und damit naturwissenschaftlich und technisch Macht über die Natur, das Fremde und Außenstehende, erlangen könne, sondern dass dieser Geist auch unbedingte Normen menschlichen Verhaltens für jedes einzelne Individuum festlegen könne, die ein demokratisches Gemeinwesen und ein auf Vertrag fußende Ordnung menschlicher Verkehrsverhältnisse auf ewig etablieren könne. Die europäische Aufklärung verkündet individuelle Freiheitsrechte, die unveräußerlich und universale Rechte der Gleichheit und Freiheit seien. Menschenrechte. Diese Ordnung stelle die maximale Zivilisationsstufe menschlicher Existenz dar, deren Kern das Privateigentum sei.

Das private Eigentum bildet den Kern bürgerlicher Gesellschaften und der Ideologie der Menschenrechte. Es konstituiert den Bürger als gesellschaftsfreies Einzelwesen. In der Abstraktion von materiellen historischen Gegebenheiten produziert diese Ideologie einen idealistischen Gedanken „abstrakter Allgemeinheit“ oder einen moralethischen Universalismus, aus dem bürgerliche Narrative, Illusionen und Propaganda fließen.

Universale Ideologien schließen aus. In ihren extremen Formen produzieren sie Rassismus, Xenophobie, Nationalismus und Hass. Es findet ein Auseinanderdriften von Begriff und Sache statt. Im Angesicht des europäischen Faschismus haben Horkheimer und Adorno die „Dialektik der Aufklärung“ eindrucksvoll dargestellt. Der bürgerliche Universalismus beinhaltet keine Universalität gleichberechtigter Beziehungen. Er beansprucht Totalität. Eine Ausbuchtung bürgerlicher Ideologie findet sich im Narrativ vom „Herrenmenschen“ und „Herrenvolk“, dem Narrativ von Ordnung und Dschungel, von Recht und Unrecht.