Der finanzimperiale und KI gesteuerte Leviathan

Das Chaos Ungeheuer

„Alles Kapital dient nur zum Unterhalt produktiver Arbeit. Gleiches gilt für den Wert, den diese Verwendung dem Ertrag am Boden und Arbeit eines Landes hinzufügt.“  (Adam Smith)

„Das Kapital ist also keine persönliche, es ist eine gesellschaftliche Größe.“  (Karl Marx)

Angesichts einer aufstrebenden, sich sozialistisch nennenden Großmacht China und angesichts eines im Niedergang befindlichen US-Imperium, das die Souveränität fremder Staaten mit völkerrechtswidrigen Kriegen, Sanktionen, Regierungswechseln bedroht, lohnt es sich einen Blick auf die Ökonomiegeschichte der „kapitalistischen Produktionsweise“ zu werfen. Die globale Herrschaft der Finanzmärkte unter der Hegemonie der USA über die kapitalistische Produktion und die Finanzialisierung von Wertpapieren durch Fiat Geld der Zentralbanken haben den Niedergang des Kapitalismus in den USA herbeigeführt, indem sie die „dienende Funktion“ des Leihkapitals (des „zinstragenden Kapitals“, Marx) für die produktive, gesellschaftlich organisierte Arbeit und Wertschöpfung systematisch zerstört haben. Die USA sind dem Angebot Chinas bereitwillig gefolgt, Industrieproduktion und Kapital nach China auszulagern. Dies lag im beiderseitigem Interesse. Es hat gleichsam einen Austausch von Produktionsgütern von den USA nach China und Konsumgütern von China nach den USA gegeben. Nun ist China die „Werkbank“ der Weltwirtschaft, führend in der Technologie und digitaler Infrastruktur und „Künstlicher Intelligenz“, kurzum der Wertschöpfung, in der Klimapolitik und Friedenspolitik und hat vor allem mit Hilfe der „kapitalistischen Produktionsweise“ (Karl Marx) den sozialen Fortschritt bewerkstelligt, Arbeitsplätze geschaffen und die Armut im Land drastisch verringert und die soziale Infrastruktur eindrucksvoll voran gebracht. Ein Erfolgsmodell! Während in den USA das Kreditwesen, vor allem anderen, den Aufbau einer digitalen Infrastruktur und eine so genannte „Künstliche Intelligenz“ finanziert hat und die soziale Infrastruktur der Städte an die Wand gefahren wurde, wo große Armut grassiert. 

Seit dem 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hat die „klassische“ Ökonomie den Wert des Kapitals im Aufbau der Industrie, der Entwicklung der Produktivkräfte und des nationalen Wohlstands gesehen. Sie war ein Gegenentwurf zur agrarischen Produktionsweise der Hauswirtschaft, und der Rentenwirtschaft aristokratischer Grundeigentümer und zur Vorstellung des Merkantilismus, die Macht des Staates durch einen Handelsüberschuss, durch Protektionismus und durch eine Kolonialwirtschaft mit günstigen Rohstoffen zu stärken.

Die These ist nicht leicht von der Hand zu weisen, dass China der „klassischen Ökonomie“ folgt und die USA zurückkehrt zur Rentenwirtschaft in anderer Form als der Grundrente und des Merkantilismus.

Adam Smith (1723-1790) definiert Kapital als ein Vermögen, das in verschiedenen Formen funktioniert: als „Sachkapital“ (Maschinen, Werkzeuge etc.) und als „Umlaufvermögen“ und „Anlagevermögen.“ Arbeitsteilung, so Smith, ist die Ausgangskategorie seines epochalen Werkes „Wohlstand der Nationen“ (WN). Sie ist eine Produktionskraft. Die Arbeitsteilung entstehe „zwangsläufig,…, aus einer natürlichen Neigung des Menschen, zu handeln und Dinge gegeneinander auszutauschen.“ ( WN ) Unter diesem „Prinzip“ des Handels und des Austausches, das der Arbeitsteilung zugrunde liege, können angesparte  Warenbestände (engl. Stocks) als Produktionsmittel und Kapital fungieren, wenn man sie zu „Diensten“ für Arbeit Suchende anbiete. Unternehmer und Arbeitgeber arbeitet dann mit „Arbeitnehmern“ arbeitsteilig zusammen. Der „Lohn ihrer Arbeit“ bestehe im Profit und im Arbeitslohn

Diese Art von Arbeitsteilung ist eine gesellschaftliche. Die industrielle Produktion eine gesellschaftliche zwischen Kapital und Arbeit. Marx bezeichnet diese gesellschaftliche Produktionsweise als kapitalistische Produktionsweise. Kapital ist hier der Ausdruck einer ökonomischen Kategorie und einer bestimmten Form gesellschaftlicher Arbeitsteilung.

Während Warenbestände (stocks) Arbeitsmittel und Geld Tauschmittel und Zahlungsmittel sind, schafft allein Arbeit Werte.  „Arbeit ist allein somit der letzte und wirkliche Maßstab, nachdem der Wert aller Waren zu allen Zeiten und allen Orten gemessen und verglichen werden kann, da sie sich niemals in ihrem Wert verändert. Die Arbeit ist ihr wirklicher oder realer Preis, Geld lediglich ihr nominaler.“ (A.Smith, WN)

Ohne en Detail auf die klassische Werttheorie der Waren als Gebrauchswerte und Tauschwerte wie auf ihre Werttheorie der Arbeit an dieser Stelle eingehen zu können, stellt Smith ein Kreislaufmodell von Produktion und Konsumtion vor, das über den Markt als Verteilungssystem miteinander vermittelt ist. Wer über einen hinreichend großen Konsumstock verfügt, kann daraus ein Einkommen ableiten, das über den Verbrauch des persönlichen Lebensunterhaltes hinaus es ermöglicht, Kapital zu bilden und der gesellschaftlichen organisierten industriellen Arbeitsteilung zur „Verfügung“ zu stellen. In der eigenen Arbeit, so Smith, wie im Verzicht und Ersparnis liegen die Quellen des Kapitals und des Kapitaleigentums. Der Profit ergebe sich aus der Differenz zwischen Wert des verkauften Produkts und dem Wert, der aus seinem Kapitalstock vorgeschossen wurde.

Nach klassischer Ökonomie ist der Produktionsprozess der kapitalistischen Produktionsweise der Ort des Verwertungsprozesses des eingesetzten Kapitals. Der Geldkredit stimuliert und dient dem industriellen Kapital.

Eine dritte Einkommensart ist die Grundrente. Sie sei ein Monopolpreis und stelle einen Abzug vom Ertrag der Pächter dar. „Ihrer Natur nach (ist) sie ein Monopolpreis. Sie steht überhaupt nicht in Bezug zu dem, was der Grundherr zur Verbesserung des Bodens aufgewendet haben mag oder was er sich nehmen kann. Sie ist vielmehr davon abhängig, wieviel der Pächter aufbringen kann.“ (Smith WN) 

Rente ist nach A.Smith ein Einkommen, das ohne Beteiligung an gesellschaftlicher Arbeitsteilung und produktiver Arbeit erzielt werde und aus der Sicht der Werttheorie des Industriekapitalismus ein „Raub am Reichtum der Nation“ ist.

Karl Marx (1818-1883) Ansatz unterscheidet sich von dem seiner liberalen werttheoretischen liberalen Kollegen durch seine strukturelle und sozialökonomische Analyse wie durch seinen historischen Vergleich mit anderen Formen der „Aneignung fremder Arbeit“. Dadurch begreift Marx die „kapitalistische Produktionsweise“ auch als ein Produktionsverhältnis und die Ökonomie als eine Politische Ökonomie.

„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, der einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen.“ (Marx)

(Manche westlichen,„marxistischen“ Kritiker Chinas und Vertreter des „reinen Sozialismus“ sollten diese berühmte Passage noch einmal lesen und überdenken!)

Im Gegensatz zu Adam Smith geht Marx nicht von einem naturrechtlichen Prinzip der Arbeit eines Einzelnen und der daraus entstandenen gesellschaftlichen Arbeitsteilung aus. Marx vertritt auch kein Kreislaufmodell, sondern ein sozial und historisch fundiertes Entwicklungsmodell, das als Ausgangspunkt der Analyse die „Anatomie“ der „kapitalistischen Produktionsweise“ und ihr kapitalistisches Produktionsverhältnis und ihren Markt empirisch beschreibt und vergleichend mit historischen Formen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung untersucht. Dieses Entwicklungsmodell ist kein deterministischer Geschichtsprozess.

„Die Expropriation ist der Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktionsweise, ihre Durchführung ihr Ziel, und zwar in letzter Instanz die Expropriation aller einzelnen von ihren Produktionsmitteln, die mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion aufhören, Mittel der Privatproduktion und Produkte der Privatproduktion zu sein, und die nur noch Produktionsmittel in der Hand der assoziierten Produzenten, daher ihr gesellschaftliches Eigentum sein können… Die Expropriation stellt sich innerhalb des kapitalistischen Systems selbst in gegensätzlicher Gestalt dar, als Aneignung des gesellschaftlichen Eigentums durch Wenige; und zwar der Kredit gibt diesen Wenigen immer mehr den Charakter reiner Glücksritter.“ (MEW; Bd.25, S.451f.)

Gleichsam prophetisch liest sich diese Ausführung. Man betrachte das finanzimperiale und KI getriebene Ungeheuer in den USA. Oder lese die Bücher des „Antichristen“ und Faschisten Peter Thiel, Ideologe des so genannten Silicon Valley Netzwerkes, der auch politischer Ziehvater des US-Vizepräsidenten Vance ist. 

Die Aktiengesellschaft und das Kreditwesen, so Marx, stelle eine erste Erosion privatkapitalistischer Produktionsweise dar. Der Profit nimmt die Form des Zinses an. Der Profit erscheint nicht mehr als Resultat des Verwertungsprozesses der kapitalistischer Produktion. Das Kapital ist nicht mehr an das Privateigentum an den Produktionsmitteln gebunden.

Wo das „konstante Kapital“ (Marx), also Maschinen, Rohstoffe, Werkzeug etc., in so ungeheurem Verhältnis zum „variablen“ Kapital der wertschöpfenden (menschlichen) Arbeitskraft steht, sodass die allgemeine Profitrate tendenziell fällt, entwickelt sich ein Kreditwesen der Banken und anderer Kapitalsammelstellen (z.B. Black Rock u.a.) des „zinstragenden Kapitals“ (Marx), das nicht mehr in die Ausgleichung der allgemeinen Profitrate eingeht. Es entsteht eine Finanzaristokratie, die in einem Interessenkonflikt mit der industriellen Bourgeoisie steht. Es entstehen neue Formen von Finanzmärkten. Das Aktienwesen vernichtet strukturell die Privatindustrie und der Kredit „bietet innerhalb gewisser Schranken absolute Verfügung über fremdes Kapital und fremdes Eigentum und dadurch über fremde Arbeit.“ (Marx) National und international.

Seit der Theorie des Grenznutzens Mitte des 19. Jahrhunderts und der anschließenden Neoklassik hat die klassische Werttheorie keine Rolle mehr in der Ökonomiegeschichte gespielt. Mit einer Ausnahme: J.M.Keynes versuchte eine Brücke zwischen Klassik und Neoklassik zu schlagen, zwischen klassischer Werttheorie und der in Mode geratenen monetären Werttheorie und Zinstheorie. Seine Theorie wurde zumeist von der Sozialdemokratie vertreten. Die seit der Dominanz des Finanzkapitals herrschende mathematische Modelltheorie der Neoklassik verwendete den klassischen Begriff des Produktionswertes nicht mehr. Er erscheint in der Form als Produktionskosten. Preis und Wert sind identische Faktoren der Marktprozesse. So z.B. verändert sich der klassische Begriff des Mehrwertes heute in einen Aufschlag auf die Kosten. 

Je umfangreicher der Kredit als Treibstoff wird und toxische Wertpapiere die Finanzmärkte beherrschen, die Verschuldung der Staaten, Unternehmen und privaten Haushalte zunimmt, um so mehr fällt der Profitanteil und die industrielle Investitionsrate in die kapitalistische Produktion. Es entsteht ein Überangebot an Geld, sodass die Zinssätze wie nach der Finanzkrise 2008 bis auf 0% und darunter fallen. Um den Zusammenbruch des kapitalistischen Systems zu vermeiden und damit vor allem das Finanzimperium der Finanzaristokratie zu retten, haben westliche Zentralbanken neues  Geld in die Finanzmärkte gepumpt. Die Triebkraft des Profits und der Schmierstoff des Kapitalismus löste sich auf. Der enorme Geldzufluss durch die Zentralbank FED hat den Aufbau eines Cloud-Kapitals hervorgebracht (Varoufakis); durch die 0 Prozent Zinspolitik finanziert. In den USA entstand eine digitale Industrie mit eigener Infrastruktur im Verbund mit der Finanzindustrie. Aus diesem Verbund entwickelte sich ein börsennotierter „Reichtum auf Papier“ – das Marx  „fiktives Kapital“ nennt und sehr volatil ist. Ihre Eigentümer seien, wie Marx sagt, „Glücksritter“. Die Eigentümer des Cloud-Kapitals generieren Renten. Dieses System nennt  Varoufakis „Techno-Feudalismus“. Dieser finanzgetriebene Rentenkapitalismus tötet den Industrie-und Profitkapitalismus samt der Marktwirtschaft. Eine globale Großbourgeoisie befindet sich im Aufbau eines privat gesteuerten Finanz und KI gesteuerten Imperiums, das die Souveränität von Staaten zerstört, wirtschaftliche und politische Macht in wenigen Händen privat und effizient steuert. 

Das Ende der bisher vorherrschenden Ideologie des Liberalismus ( eine Ideologie des industriellen Kapitalismus) ist eingeläutet und ihr radikaler Bruder Faschismus tritt in einer neuen Form als unmittelbare Diktatur des Kapitals wieder auf die Weltbühne. 

Goldman & Sachs hat ein Index „für nicht profitable Technologien“ herausgebracht. Und der Antichrist und Cloud-Ideologe Peter Thiel, im Interessenverbund mit dem Faschisten Elon Musk, postuliert zutreffen das Ende des Liberalismus. „Der Wettbewerb ist etwas für Verlierer.“ Der CEO von Palantir, ein KI-gesteuertes Überwachungsprogramm, Alex Karp, Vertrauter von Peter Thiel, unterstützt vollumfänglich das US-Militär. Mit Palantir regieren die US- und israelische Regierung. Karp meint, allein Militäraktionen und Kriege der USA könnten den Aufbau dieser „Neuen Welt“ vor ihren Feinden Russland und China und den BRICS-Staaten schützen und den Dollar retten.

Diese Ökonomie der„Neuen Welt“, die in ihrer Konzentration dem Faschismus in vielen Belangen ähnelt, bezeichnen viele als „Platformökonomie“, die offene Märkte schließe, reguliere und kontrolliere. Neue Kapitalsammelstellen in den USA verwalten Aktienwerte, die genau dem Nationaleinkommen der USA oder dem Nationaleinkommen von China und Japan oder der Summe sämtlicher Nationaleinkommen der EURO-Zone, des UK, Australiens und der Schweiz entsprechen. Black Rock verwaltet 10 Billionen Dollar an Investitionen, Vanguard 8 Billionen Dollar und State Street 4 Billionen Dollar. Die „Banksozialisten“ feiern den „Sozialismus der Banken“ und die „Emanzipation des Kapitalismus von den Profiten.“ (Varoufakis)

Hinterlasse einen Kommentar