Marx hat von September bis November 1857 in den Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie „nur in ganz kurzen Umrissen“ seine Geldtheorie auf 113 Seiten plus Anhang im Kapitel vom Geld dargestellt, bevor er seinen Hauptgegenstand im >Kapitel vom Kapital< (von S. 151 bis 763) behandelt. Die Arbeit, um die es in den Grundrissen gehe, „ist die Kritik der ökonomischen Kategorien,“ wie sie die bürgerliche Ökonomie seiner Zeit darstellte. Und diese Kategorien sind eben Geld, Ware und Kapital. Eine wesentliche Kategorie, die in seinem Hauptwerk eine zentrale Rolle spielt, die Arbeit, findet in den Grundrissen noch kein eigenes Kapitel. „Hätte ich Zeit, Ruhe und Mittel, das Ganze auszuarbeiten, ehe ich es dem Publikum übergäbe, so würde ich es sehr kondensieren…So aber – vielleicht besser für das Verständnis des Publikums, sicher aber zum Schaden der Form – in aufeinanderfolgenden Heften gedruckt, zieht sich die Sache notwendig etwas in die Breite.“ (Brief Marx an Lassalle vom 22.11.1858, nachzulesen im Lassalle Nachlass, S.116, 117)
Aus diesen Zeilen wird schon Marxens Unbehagen deutlich, denn das Kapitel vom Geld ist sprachlich, strukturell und methodisch nicht einfach und macht dem heutigen Leser Schwierigkeiten, es zu verstehen. Daher versuche ich meine Darstellung der Marxschen Geldtheorie so zu ordnen, dass ich das Referierte mit Zitaten aus dem Kapitel vom Geld belege und in herausgehobener Form mein Urteil über das Gesagte abgebe. Ich stelle die Marxsche Geldlehre unter den Aspekten a.) der historischen Prozesse der Herausbildung des Geldes, b.) seiner Funktionen und c.) seiner Arten dar.
Geld und Waren sind die Elemente des Tausches und des Handels. Marx untersucht die jeweiligen Positionen, die Elemente in ihrem Verhältnis zueinander einnehmen, und die Funktionen des Geldes im Verhältnis zur Ware. Dabei unterscheidet Marx fünf Positionen des Geldes zur Ware:
1. den Tauschhandel W-G-W ; 2. Den Handel W-G-G-W ; 3. Das Handelskapital G-W-W-G ́ (Kaufmannskapital) ; 4. Das Geldkapital G – W (v+ c) – W ́(v+ c + m ) – G ́ ; 5. Das Zins tragende Kapital G-G ́. In diesen Phasen, denen auch historisch ökonomische Formationen zugesprochen werden können, übernimmt das Geld zunehmend verschieden Funktionen. Es ist 1. Tauschmittel, 2. Maß der (Tausch)Werte der Waren, 3. Zirkulationsmittel, 4. Preissetzung, 5. Zahlungsmittel, 6. Kreditmittel und 7. Weltgeld. Doch die Funktionen des Geldes geben uns noch keine Definition oder Bestimmung, was Geld ist. Schon hier kann verraten werden, dass Geld nach Marx mehrere Bestimmungen hat.
Das Geld entwickelt sich aus den Anfängen des Tausches von Gütern. Darin folgt Marx Aristoteles. ( Nach Aristoteles gehört der naturgemäße Tauschhandel (metabletike) zur natürlichen Erwerbskunst ( ktetike ) so wie die Hauswirtschaft (ökonomia). Aus dem Tauschhandel, der erst in der erweiterten Gemeinschaft (koinonia) zu finden ist, entwickelt sich zwangsläufig die künstliche Erwerbskunst (chrematistike), die das Geld einführt und dann die Handelsgeschäfte (kapelike). ) Dieser zufällige und unregelmäßige Tausch von Gütern benötigt auf kurze Sicht kein vergleichendes Maß, sondern wird bestimmt durch das Bedürfnis oder die Notlage, ein solches Arbeitsprodukt gegen ein anderes zu tauschen. Diesem Tausch liegt keine gesellschaftliche Arbeitsteilung zugrunde. In Stammesgesellschaften, sofern sie nicht an ihren Territorialgrenzen ihre Arbeitsprodukte mit fremden Stammesgesellschaften austauschen, und in selbst erzeugenden Hauswirtschaften ist Geld nicht notwendig, da andere Verteilungsmechanismen stattfinden. Wenn man Waren als Güter definiert, die regelmäßig ausgetauscht und gehandelt werden, dann steht historisch am Anfang der Austausch oder der Tauschhandel W-G-W. Ökonomisch betrachtet, existiert in zufälligen Tauschaktionen von Gütern keine Ware und kein Geld. Auch im Tauschhandel, „wo überhaupt noch wenig ausgetauscht wird und noch wenig Waren in den Verkehr kommen“ (97), ist kein Geld nötig. Das Wertverhältnis zwischen den Gütern lasse sich durch ein einfaches quantitatives Verhältnis ausdrücken. „In dieser Form können wir überhaupt verfahren, wenn wir nur wenige Waren miteinander vergleichen, die gleichnamiges Maß haben; z.B. soviel Quarter Roggen, Gerste, Hafer für soviel Quarter Weizen.“ (97) Die Waren stehen in einem vergleichbaren Verhältnis zueinander, das Marx Tauschwert nennt. Dieses vergleichbare Verhältnis ist quantitativer Art. Dieses quantitative Wertverhältnis muss ein gleichnamiges Maß besitzen, und dieses gleichnamige Maß muss die Eigenschaft haben, in aliquote Teile (untergeordnete Teile einer Einheit) untergliedert werden zu können. Diese Maßeinheit, womit die Waren wertmäßig verglichen werden können, stellt das Geld dar. Erst dann kann es ökonomisch als Tauschmittel angesehen werden. Äquivalenz hat also die Bestimmung quantitativer Vergleichbarkeit. Die Frage lautet, die noch später zu klären ist, worin besteht diese Vergleichbarkeit. Das Geld als Maßeinheit der Tauschwerte der Waren muss zudem die Eigenschaft besitzen, in aliquote Teile eingeteilt werden zu können, zumal wenn es zirkuliert. Die Edelmetallmünze erfüllt diese Eigenschaft. (Das Aes grave (schweres Kupfergeld) der Römer aus ihrer Vorzeit waren Münzen, die anfänglich so schwer waren, dass sie nicht für einen regelmäßigen Handel praktikabel waren, sodass sie später in einem reduzierten Münzfuß ausgebracht wurden, der in unterschiedlichen Pfundnormen in Latium, Kampanien, Apulien, Umbrien und Etrurien festgelegt wurde.)
Zuerst untersucht Marx das Wertverhältnis zwischen den verschiedenen Metallen (Kupfer, Silber und Gold) in der Geldgeschichte, soweit es die damalige Literatur preisgab, dann untersucht er die Funktion des Geldes als Maßeinheit der Tauschwerte der Waren in der Zirkulation. Marx untersucht im Kapitel vom Geld die Schwankungen des Wertverhältnisses zwischen den verschiedenen Metallen. Das Verhältnis sei abhängig von dem „relativen Zustand der Reinheit, worin sie sich befinden, und ihrer Lagerung.“(97) (Die Reinheit hat in der Geschichte des Münzgeldes eine entscheidende Bedeutung gehabt. Sie war Ausgangspunkt vieler Klagen und Betrügereien nicht nur von Privatpersonen, sondern mit verheerenden Folgen auch für Staaten, die sich durch Kriege verschuldet hatten und durch einen reduzierten Reinheitsgehalt diese Schulden zu minimieren gedachten. Die Reduzierung des Reinheitsgehaltes war der sichtbare und überprüfbare Ausdruck einer Geldentwertung oder Inflation. Daher gehörte die Waage zu den wichtigsten Arbeitsmitteln der damaligen „Bankleute“, die ihre Waagen auf Bänke positionierten). Auch die Edelmetallvorräte und ihre Abbaumöglichkeiten bestimmten, so Marx, das Wertverhältnis der Edelmetalle zueinander. Das quantitative Verhältnis ihres gegenseitigen Austausches, also das Verhältnis von Angebot und Zufuhr, habe ihr Wertverhältnis bestimmt. Marx referiert aus der historischen Literatur die Schwankungen der Wertverhältnisse zwischen den Metallen Gold und Silber. Herodot habe z.B. das Gold-Silber- Verhältnis als 13:1, der Code des Manou zwischen 1300 und 600 v.Chr. 2 1⁄2 zu 1; Humbold habe das Verhältnis 1811 für die Edelmetalle in Amerika 1 zu 46 geschätzt, und zwar noch vor der Entdeckung der Vorkommen in Kalifornien. Außerdem bestimmten, so Marx, auch die chemischen und ästhetischen Eigenschaften der Metalle das Wertverhältnis. So habe z.B. das Kupfer eine „schöne morgenrote Farbe; ziemliche Härte; erfordert sehr hohe Temperatur zum Schmelzen; … häufig mit Oxygen oder Schwefel verbunden…Findet sich aber auch oft, mehr als die andren Materiale, an der Oberfläche der Erde… In großer Masse in Zirkulation in dem von den Römern unterworfenen Italien vom 1. bis 5. Jahrhundert.“(97/98) Die Römer besaßen – so Marx – vor der Verjagung der Könige Silbergeld, aber sie hätten die Folgen eines bequemeren Zirkulationsmittels gefürchtet. „Nachdem das Metallgeld gefunden (sei es als eigentliches Geld oder nur als bevorzugtes Tauschmittel per Gewicht) begann die Akkumulation.“ (98) Marx fasst zusammen: „In der alten Welt also, wenn der Durchschnitt gezogen wird: Erstens: Verhältnismäßiger Höherwert des Silbers über das Gold. Abgesehen von einzelnen Erscheinungen (Arabern), wo das Gold wohlfeiler als Silber und noch wohlfeiler als Eisen…Zweitens: Seit dem Tod Alexanders verhältnismäßiges Steigen der Werte des Goldes zum Silber mit der Erschöpfung des sables auriferes, Fortschritt in der Technik und Zivilisation: und so Öffnung der Silberminen; nun Einfluß des quantitativen Mehrvorkommens von Silber als Gold in der Erde… Drittens im Mittelalter: Wieder das Verhältnis wie zur Zeit des Xenophon – 10 zu 1. Viertens nach der Entdeckung von Amerika: Wieder about das Verhältnis wie zur Zeit des Honorius und Arcarius (397); 14 bis 15:1. Obgleich seit about 1815 – 1844 wachsen der Goldproduktion. Es ist wahrscheinlich, dass die Entdeckung von Kalifornien und Australien fünftens wieder das Verhältnis der römischen Kaiserzeit 18: 1, herbeiführen wird, wenn nicht noch größeres…“ (100f.)
(Aus dem bisher Gesagtem wird deutlich, dass nicht nur Geld als Gold oder Silber, also Edelmetallmünzen, als Maßeinheit für die Warenwerte dienen kann, sondern auch andere Materialien, z.B. Papier wie Papiergeld oder Wertpapiere etc.)
Bevor Marx die Funktion des Geldes als Maßeinheit untersucht, definiert er die Bedingung, unter der Geld als wirkliches Geld funktioniert: das Geld muss auf Märkten ständig zirkulieren können, d.h. das Geld muss nicht nur als Tauschmittel, sondern auch als Zirkulationsmittel funktionieren, so dass z. B. Kauf und Verkauf örtlich und zeitlich getrennt werden können und eine auf Kauf und Verkauf ausgerichtete Wirtschaftsform möglich ist: W-G-G-W. Eine Marktwirtschaft
In der „unmittelbaren Zirkulation“ läuft das Geld entgegengesetzt zur Zirkulation der Waren. „Der Ausgang von Einem Zentrum nach den verschiedenen Punkten der Peripherie, und die Rückkehr von allen Punkten der Peripherie nach einem Zentrum findet nicht statt bei dem Geldumlauf auf der Stufe, wo wir ihn hier betrachten, seiner unmittelbaren, sondern erst in der durch das Bankwesen vermittelten Zirkulation. Wohl aber besteht diese erste naturwüchsige Zirkulation aus einer Masse von Umläufen. Der eigentliche Umlauf beginnt aber erst da, wo das Gold und Silber aufhört Ware zu sein. Zwischen Ländern, die Edelmetalle ausführen, und solche, die sie einführen, findet keine Zirkulation statt, sondern einfacher Austausch, da das Gold und Silber hier nicht als Geld, sondern als Ware figuriert.“(101) Marx unterscheidet also zwischen unmittelbaren und einer durch das Bankwesen vermittelten Geldzirkulation.
Von der vermittelten Geldzirkulation wird erst dann die Rede sein, wenn wir die Zirkulationsformen G-W-W ́-G ́und G-G ́ behandeln. Erst die modernen Banken stellen das >Eine Zentrum< des Geldumlaufs dar. Sie sind Geldkapitalsammelstellen und wirken auf die durch sie vermittelte Geldzirkulation ein. Sie schöpfen neues Geld, bestimmen die Geldumlaufgeschwindigkeit, sodass bei ihnen die Hauptmasse des Geldvermögens liegt. Findet zudem noch eine Konzentration und Zentralisation im Bankwesen statt, dann sind sie, soweit Geschäftsbanken, die Zentren nicht nur Ausgangspunkt einer Mehrwert schöpfenden Industrie-, sondern selbstredend Zentren des Finanzkapitalismus.
In der unmittelbaren Geldzirkulation, womit Marx sich hier beschäftigt, werden die Tauschwerte der Waren in Preise gesetzt. Daher muss der Begriff des Preises vor dem der Zirkulation entwickelt werden. „Die Zirkulation ist das Setzen der Preise, die Bewegung, in der Waren in Preise verwandelt werden; ihr Realisieren der Preise.“(102f.) Das Geld in seiner Funktion als Maßeinheit der Warenwertverhältnisse, die in Preisen zum Ausdruck kommen, unterscheidet sich vom Geld als Maß der Tauschwerte der Waren. „Das Geld ist nur Maß, weil es Arbeitszeit materialisiert in einer bestimmten Substanz, also selbst Wert ist,… weil es Äquivalent ist.“ (676) – und zwar innerhalb der unmittelbaren Zirkulation. „Bei jedem Maß, sobald es als Vergleichspunkt dient, d.h. sobald die Verschiedenen, die verglichen werden sollen, in das Verhältnis von Anzahl zum Maß als Einheit gesetzt sind, und sie nun aufeinander bezogen werden, wird die Natur des Maßes gleichgültig und verschwindet in dem Akt der Vergleichung selbst; die Maßeinheit ist bloße Zahleneinheit geworden; die Qualität dieser Einheit ist verschwunden.“(678) „Aber sie werden erst bloße Zahlengrößen,…, vergleichbar miteinander und rücken erst Proportionen gegeneinander aus, sobald jede einzelne Ware gemessen ist mit der, die als Einheit, als Maß dient. Ich kann sie aber nur einander messen, nur kommensurabel machen, soweit sie eine Einheit haben – diese ist die in beiden erhaltene Arbeitszeit.“(678)
Die Arbeitszeit ist nicht allein das Maß der Preise, denn Wert und Preis sind nicht identisch, da ein Zusammenfallen von Preis und Wert Gleichheit von Nachfrage und Zufuhr unterstelle, was in der ökonomischen Realität nicht der Fall sei. In der Funktion als Maßeinheit fungiert Geld als Rechenmünze. Marx kritisiert seine zeitgenössischen Ökonomen, dass sie aus der Existenz der Rechenmünze (Kurantmünze) schließen, dass diese ein „ideales Maß“ abgebe. Darunter verstünden sie, dass Geld ein „willkürlicher Vergleichspunkt“ sei und selbst keinen Wert besäße; also „kein bestimmtes Quantum vergegenständlichter Arbeitszeit“ (677) ausdrücke.
Marx kritisiert die Neoklassik des 19. Jahrhunderts, die Preise und ihre Relationen zueinander in der rein quantitativen Sprache der Mathematik untersuchten und deren Theorie grundsätzlich Abstand von der> Arbeitswerttheorie< der ökonomischen Klassiker, z.B. Adam Smith, nahm. Seitdem vertreten alle liberalen Ökonomien keine Theorie mehr, die auf gesellschaftlich verausgabter Arbeit und Äquivalenz beruht. Geldtheorie ist nun eine mathematische Theorie der Relation von Preisen. Geld als Funktion und Basiselement des Marktes verliert jeglichen gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhang. Man spricht von Marktkräften. Der Markt scheint als gesonderte Institution mit eigener Gesetzmäßigkeit, die sich evolutionär entwickelt habe. Markt, Geld und Preis werden zu einer mystischen, gleichsam göttlichen Trinität, die das Leben der Bevölkerung beherrscht. Die so genannte und dargestellte Marktwirtschaft als Wirtschaftsform ist keine Politökonomie mehr, wie sie die Klassik noch behandelte. Gleichsam konsequent ist es aus dieser Sicht, reine Ideologie von „Kapitalismus“ zu sprechen.
Das Geld wird nach Marx sowohl als „Maß oder Element, worin die Ware als Tauschwert realisiert wird“ als auch als Tauschmittel und als Zirkulationsmittel definiert. Als Zirkulationsmittel lässt Geld Waren sowohl ideell als auch reell umlaufen. „Das Geld zirkuliert nur Waren, die ideell, nicht nur im Kopf des Einzelnen, sondern in der Vorstellung der Gesellschaft (unmittelbar der Parteien im Prozeß des Kaufs und Verkaufs) schon in Geld verwandelt sind“. „Diese ideelle Verwandlung in Geld und die reelle sind keineswegs durch dieselben Gesetze bestimmt. Ihr Verhältnis zueinander ist zu untersuchen.“(103) „Indem aber das Geld eine selbständige Existenz außer den Waren hat, so erscheint der Preis der Ware als äußere Beziehung der Tauschwerte oder Waren auf das Geld; die Ware ist nicht Preis, wie sie ihrer sozialen Substanz nach Tauschwert war; diese Bestimmtheit fällt nicht mit ihr unmittelbar zusammen; sondern ist vermittelt durch ihre Vergleichung mit Geld; die Ware ist Tauschwert, aber sie hat einen Preis. Der erste war in unmittelbarer Einheit mit ihr, ihre unmittelbare Bestimmtheit, mit der sie ebenso unmittelbar auseinanderfiel, so dass sich auf der einen Seite die Ware, auf der anderen (im Geld) ihr Tauschwert befand, jetzt aber im Preis bezieht sich die Ware einerseits auf das Geld als ein außer ihr seiendes, und zweitens ist sie ideell selbst als Geld gesetzt, da das Geld eine von ihr verschiedene Realität hat. Der Preis ist eine Eigenschaft der Ware, eine Bestimmung, in der sie als Geld vorgestellt wird… Neben dem reellen Geld existiert nun die Ware als ideell gesetztes Geld.“ (105) Als Maß dient das Geld als Rechengeld. Alles, was dem materiellen Zahlungsakt herbeiführt oder vorhergeht, ist Rechengeld. Reelles Geld realisiert Zahlungen und saldiert Rechnungen. „Das Rechengeld ist ein ideales Maß, das keine Grenzen hat als die Vorstellungen.“ (105f.)
Die Transaktionen des Finanzkapitals, die täglich an den Börsen und >over the counter< per Computer um die Erde getätigt werden, untermauern in ihren unvorstellbaren Quanten ihre Grenzenlosigkeit. Die Quantität des reell vorhandenen Geldes ist gegenüber dem ideellen Geld vollkommen gleichgültig, denn die ideelle Verwandlung der Waren in Geld ist unabhängig von der Masse und Geschwindigkeit des umlaufenden reellen Geldes und wird faktisch durch letzteres beschränkt. „Wenn z.B. der ganze Nationalreichtum von England in Geld geschätzt wird, d.h. als Preis ausgedrückt wird, so weiß jeder, daß nicht genug Geld auf der Welt ist, um diesen Preis zu realisieren. Das Geld ist hier nur als Kategorie nötig, als gedachtes Verhältnis.“ (106) Die Geldströme des Finanzkapitalismus sind ideelles Geld, das nicht unmittelbar in reelles, umlaufendes Geld umgetauscht werden könnte. Dieses ideelle Geld zählt aber zum Vermögen der Finanzinvestoren.
Damit Geld zirkulieren kann, sind folgende Bestimmungen nötig. „ Erstens: Voraussetzung der Waren als Preise; Zweitens: Nicht einzelne Austauschakte, sondern … eine Totalität derselben, … auf der gesamten Oberfläche der Gesellschaft vorgehend; ein System von Tauschakten.“(103) Wir nennen dieses „System von Tauschakten“ Marktwirtschaft. Ware ist, nach Marx, definiert als Tauschwert. Als Tauschwert ist sie in bestimmtem Verhältnis zu anderen Waren Äquivalent. Als allgemeines Äquivalent ist sie Geld und als Geld ist sie allgemeiner Vergleichswert zu anderen Warenwerten. „Die Ware als reiner Tauschwert ist Geld. Aber zugleich existiert jetzt das Geld außerhalb und neben der Ware; ihr Tauschwert, der Tauschwert aller Waren, hat eine von ihr unabhängige, in einem eigenen Material, in einer spezifischen Ware verselbständige Existenz gewonnen.“ (103) Alle Waren müssen ins Geld übersetzt werden. „Das Geld ist der allgemeine Nenner der Tauschwerte, der Waren als Tauschwerte.“ (103) „Der in die Bestimmtheit gesetzte Tauschwert ist der Preis. Im Preis ist der Tauschwert ausgedrückt als ein bestimmtes Quantum Geld. Das Geld ist das Maß der Tauschwerte; und die Preise als die im Geld gemessenen Tauschwerte.“ (104) Bei der Setzung der Preise spielt das reelle Geld, das gedruckt, geprägt oder geschlagen wurde und sich in der Zirkulation befindet, keine Rolle. In dieser Setzung misst man entweder die Produktionskosten oder die Arbeitszeit, die gesamtgesellschaftlich zur Herstellung der Arbeitsprodukte benötigt worden war, sodass der Tauschwert als Maß genommen wird. „Das Quantum des reell vorrätigen Geldes hat offenbar mit dieser Proportion nichts zu tun.“ (106) Als ideelles Geld kann es z.B. auch beim einfachen Tauschhandel in der Bestimmung des Maßes gesetzt sein, ohne in seinen weiteren Bestimmungen realisiert worden zu sein, also bevor es z.B. in der Form des Metallgeldes erscheint. „ Indessen dann vorausgesetzt, dass überhaupt nur wenig Austausch stattfindet; dass die Warten nicht als Tauschwerte und darum nicht als Preise entwickelt sind.“ (107) In ökonomisch einfachen Gesellschaftszuständen ist dies der Fall. „Entwickelte Preisbestimmung setzt voraus, dass der Einzelne nicht direkt seinen Lebensunterhalt produziert, sondern dass sein unmittelbares Produkt Tauschwert ist, also erst durch einen gesellschaftlichen Prozeß vermittelt werden muß, um Lebensmittel für ihn zu werden. Zwischen der völligen Entwicklung dieser Grundlage der industriellen Gesellschaft und dem patriarchalen Zustand viele Zwischenstufen, unendliche Schattierungen.“ (107f.) Marx unterscheidet also eine voll ausgebildete, alle Lebensbereiche prägende und durchdringende (globale), kapitalistisch organisierte Marktwirtschaft von der in Europa weit verbreiteten, ihre Mitglieder selbst versorgenden Hauswirtschaft. Tauschwerte werden in den Preisen ideell in Geld verwandelt. Im Tausch reell in Geld. Der besondere Tauschwert muss gegen den allgemeinen Tauschwert ausgetauscht werden, um sich wieder gegen besondere auszutauschen. „Die Ware wird als Tauschwert nur verwirklicht durch diese vermittelnde Bewegung, in der das Geld den Mittler spielt.“ (108) Das Geld läuft in einer entgegengesetzten Richtung um wie die Waren. „Das Geld ist Zirkulationsrad… für den Warenumlauf.“ (108) Es hat also als solches einen eigenen Umlauf: die Geldzirkulation. „Die Preise sind also Voraussetzung der Geldzirkulation…“(108), abgesehen von der Tatsache, dass die Preise der Waren um die ihren Durchschnittswert oszillieren. Dieser Schwankungsprozess geht dem Prozess ihrer wirklichen Realisierung im Geld voraus. Die wirkliche Zirkulation der Waren in Ort und Zeit wird nicht vom Geld bewerkstelligt. „Es realisiert nur ihren Preis.“ (109) Vom Geld wird nur der Eigentumstitel zirkuliert.
Die Menge des zirkulierenden Geldes hängt 1. von den Preisen der einzelnen Waren, 2. von der in der Zirkulation befindlichen Warenmasse und 3. von der Geschwindigkeit des zirkulierenden Geldes ab. Der Geldumlauf geht nicht von Einem Zentrum aus und kehrt auch nicht zu einem Zentrum zurück. „Die Zirkulation nimmt ihren Ausgangspunkt gleichzeitig an einer Masse von vielen Punkten. Es ist also ein bestimmtes Quantum Geld für die Zirkulation nötig, das sich immer in die Zirkulation befinden wird und das bestimmt ist durch die Gesamtsumme, die von den gleichzeitigen Ausgangspunkten der Zirkulation ausgeht, und die Geschwindigkeit, womit sie ihre Bahn bemisst.“ (110) Das Geld als Maß ist gleichgültig gegenüber seiner Quantität. Geld als Tauschmittel hingegen nicht. Als Tauschmittel wird es quantitativ gemessen. Beide Bestimmungen können miteinander in Widerspruch treten. Die Zirkulation von Waren und Geld ist ein gesellschaftlicher Prozess, obwohl seine einzelnen Momente vom bewussten Willen oder besonderen Zwecken der Individuen ausgehen, „sosehr erscheint die Totalität des Prozesses als ein objektiver Zusammenhang, der naturwüchsig entsteht; Zwar aus dem Aufeinanderwirken der bewussten Individuen hervorgeht, aber weder in ihrem Bewusstsein liegt, noch als Ganzes unter sie subsumiert wird.“ (111) Die Mechanismen der Zirkulation erscheinen als Sachzwänge und sind Systemzwänge, die letztlich nicht überblickt werden können und als über den Individuen stehende, „fremde gesellschaftliche Macht“ (111) erscheint.
Weil Waren- und Geldzirkulation rational und mit Hilfe von mathematischen Modellen systematisch nicht zu erklären ist, reagieren die handelnden Individuen auf negative Schwankungen der Preise emotional. Man hört von Panikverkäufen, Herdenverhalten. „Die Zirkulation, weil eine Totalität des gesellschaftlichen Prozesses, ist auch die erste Form, worin nicht nur wie etwa in einem Geldstück, oder im Tauschwert, das gesellschaftliche Verhältnis als etwas von den Individuen Unabhängiges erscheint, sondern das Ganze der gesellschaftlichen Bewegung selbst. Die gesellschaftliche Beziehung der Individuen aufeinander als verselbständige Macht über den Individuen, werde sie vorgestellt als Naturmacht, Zufall oder sonst in beliebiger Form, ist notwendiges Resultat dessen, dass der Ausgangspunkt nicht das freie gesellschaftliche Individuum ist. Die Zirkulation als erste Totalität unter den ökonomischen Kategorien gut, um dies zur Anschauung zu bringen.“ (111) Als Totalität erneuert sich die Zirkulation ständig selbst, bis ins Unendliche. Wenn im einfachen Warenhandel Kauf- und Verkauf zusammenfallen (W- G-W), so treten in entwickelten Produktionsweisen und Gesellschaften Kauf und Verkauf auseinander, sodass aus diesem Auseinanderfallen der „Keim der Krisen“ entsteht. Wenn Ware nicht in Geld realisiert werden kann, dann hört sie auf Ware zu sein. Es tritt ein Zustand der Überakkumulation von Waren und Geld ein. „Aus einem Knecht des Handels ward das Geld zu einem Despoten.“ (113) Das Geld repräsentiert nicht mehr die Ware, sondern die Ware repräsentiert das Geld. Die Trennung in Kauf und Verkauf macht die Spekulation möglich. Ebenso ermöglicht sie den Kaufmannsstand. Das Geld ermöglicht auch eine sich stetig ausweitende Arbeitsteilung und damit einen freien Arbeitsmarkt. Das Geld ist nicht nur Mittel, sondern auch Zweck der Zirkulation: G-W-W- G. Im ersten Fall ist Geld das Mittel, um Ware zu erhalten, und Ware der Zweck; im zweiten Fall die Ware Mittel, um Geld zu erhalten, und das Geld der Zweck. Der Unterschied zwischen der in der Zirkulation befindlichen Ware und dem in der Zirkulation befindlichen Geld besteht darin, dass die Ware aus der Zirkulation herausgenommen werden kann und konsumiert wird, sei es in der Produktion oder im privaten Konsum. Das Zirkulationsgeld hingegen bleibt in der Zirkulation als „perpetuum mobile“ (116). Der Kreislauf G-W-W-G ist eine „besondere Form der Zirkulation,“ die sich von der Grundform W-G-G-W unterscheidet. Das Geld ist in dieser besonderen Form weder Maß, noch Tauschmittel, sondern Selbstzweck, „zu dessen bloßer Realisation der Warenhandel und Austausch dient.“(117) Außerdem tritt es außerhalb des Kreiskaufs, da mit ihm der Kreislauf abschließt. „Es ist sehr richtig, dass das Geld, soweit es nur als Agent der Zirkulation bestimmt ist, beständig in ihrem Kreislauf eingeschlossen bleibt. Aber es zeigt sich hier, dass es noch etwas anderes ist außer diesem Zirkulationsinstrument, dass es auch eine selbständige Existenz außer der Zirkulation besitzt und in dieser neuen Bestimmung ihr ebenso entzogen werden kann, wie die Ware ihr stets definitiv entzogen werden muß.“(117)
Das Geld als materieller Repräsentant des Reichtums
(vorher noch das Geld als allgemeine Materie der Kontrakte)
„Als Maß betrachtet, ist die materielle Substanz des Geldes wesentlich…“ Daher Ausdruck im Münzgeld, wie es schon im Tauschhandel vorkommt, wo es die >einfache (oder zufällige) oder die allgemeine Wertform< annimmt, was mit der Anzahl der Tauschakte (von Stammesgesellschaften und Hauswirtschaften) zusammenhängt. (…)“obgleich sein Vorhandensein und näher seine Quantität, die Anzahl, worin die Portion Gold oder Silber, die als Einheit dient, durchaus gleichgültig für es in dieser Bestimmung ist, und es überhaupt nur als vorgestellte, nicht existierte Einheit gebraucht wird. Als was es vorhanden sein muß in der Bestimmung, ist als Einheit und nicht als Anzahl.“(117f.) Die Bestimmung aller Waren als Preise ist ein Prozess, der häufigen Austausch voraussetzt und daher häufiges Vergleichen der Waren als Tauschwerte. „Sobald aber einmal die Existenz der Waren als Preise zur Voraussetzung geworden ist – eine Voraussetzung, die selbst ein Produkt des gesellschaftlichen Prozesses, ein Resultat des gesellschaftlichen Produktionsprozesses – erscheint die Bestimmung neuer Preise einfach, da die Elemente der Produktionskosten dann selbst schon in der Form von Preisen vorhanden, also einfach zusammenaddierte sind.“(118) „Der Tauschhandel, worin der Überfluß der eigenen Produktion zufällig gegen den der fremden ausgetauscht wird, ist nur das erste Vorkommen des Produkts als Tauschwert im allgemeinen und wird bestimmt durch zufällige Bedürfnisse, Gelüste etc. Sollte er aber fortgesetzt werden, ein kontinuierlicher Akt werden, der in sich selbst die Mittel zu seiner steten Erneuerung enthält, so kommt ebenso äußerlich zufällig nach und nach die Regulation des wechselseitigen Austausch durch die Regulation der wechselseitigen Produktion herein, und die Produktionskosten, die sich schließlich alle in Arbeit auflösen, würden so das Maß des Austauschs werden.“ (119) Der Tauschwert ist ein sich aus dem Austausch entwickelndes soziales Verhältnis und in soweit Ausdruck eines historischen Prozesses, ein historisches Produkt voll entwickelter Marktwirtschaft. „Der Tauschwert unterstellt die gesellschaftliche Arbeit als die Substanz aller Produkte, ganz abgesehen von ihrer Natürlichkeit.“(119) (Der Begriff Substanz hat in der Philosophie vielfältige Bedeutung. Substanz ist ein Grundbegriff der klassischen Metaphysik. Ein Synonym für >essentia<. Es steht für >Wesen<. Aus den vorigen Ausführungen wird deutlich, dass Marx diesen Begriff Substanz nicht im ahistorischen Sinne verwendet, sondern als das, was dem voll ausgebildeten Warenaustausch zugrunde liegt, denn Arbeitsprodukte werden ausgetauscht.) „In dem Tauschwert sind die Waren gesetzt als Verhältnis zu ihrer gesellschaftlichen Substanz, der Arbeit; aber als Preise sind sie ausgedrückt in Quantis anderer Produkte nach ihrer natürlichen Beschaffenheit.“(121) (Die Arbeitswerttheorie, und mit ihr der Tauschwert, ist demnach eine spezifische Theorie, die auf eine besondere ökonomische Formation zutrifft, die man als kapitalistisch orientierte Marktwirtschaft bezeichnen kann. Sie trifft deshalb nur ansatzweise für die Stadien des Austausches vor der von Marx so genannten >bürgerlichen Gesellschaft< zu. Dann ist aber auch die Frage zu stellen, ob die Arbeitswerttheorie noch als einzige Hypothese auf den Finanzmarkt orientierten Kapitalismus angewendet werden kann.) Der Preis des Geldes kann nur durch „den ganzen Umkreis der Waren“ ausgedrückt werden, obwohl der Preis einer einzelnen Ware nicht identisch ist mit ihrem Tauschwert. Soweit das Geld als Materie erscheint, ist das Geld selbst ein bestimmtes Quantum Gold, Silber etc., d.h. nicht selbst als Tauschwert, als Verhältnis gesetzt. Der Tauschwert drückt also stets ein quantitatives Verhältnis von Waren als auszutauschende Arbeitsprodukte aus. Der Preis ist der Geldausdruck dieses Verhältnisses; das Geld allgemeines Äquivalent. Soweit Materie als Materie (Kupfer, Silber und Gold) erscheint, hat es keinen Tauschwert. „So ist jede Ware, in der eine andere als Preis ausgedrückt wird, selbst nicht als Tauschwert gesetzt, sondern als einfaches Quantum ihrer selbst.“ Im Geld als allgemeines Äquivalent und Einheit der Tauschwerte, als ihr Maß, erscheint Gold, Silber und Kupfer als Preis der Ware nicht als Tauschwert, sondern als ein bestimmtes Gewicht Gold, Silber etc.; „Z.B. ein Pfund, mit seinen Unterabteilungen, und so erscheint das Geld auch ursprünglich als Pfund, aes grave. Dies unterscheidet eben den Preis vom Tauschwert.“(121) Die Warenpreise sind ergo gemessene Tauschwerte. Das Geld ist dort nur als Rechengeld nötig.
Das Geld als Tauschmittel (W-G-G-W)
Es muss in dieser Bestimmung in einer bestimmten Menge vorhanden sein. „Wenn die Summe der zu realisierenden Preise auf der einen Seite gegeben ist, die abhängt von dem Preis einer bestimmten Ware multipliziert mit ihrer Quantität, und die Geschwindigkeit der Geldzirkulation auf der anderen Seite, ist eine bestimmte Quantität des Zirkulationsmittels erreicht.“(122) Als Tauschmittel ist Geld nur Tauschmittel. Sofern es aber den Preis realisiert, ist seine materielle Existenz als Gold und Silber bestimmend. Wenn die Zirkulation nicht unterbrochen ist, ist die materielle Natur des Geldes nur Schein. „Das Gold oder Silber als bloßes Zirkulationsmittel,.., ist daher gleichgültig gegen seine Beschaffenheit als eine besondere natürliche Ware.“(123) (Insoweit kann Geld als Zirkulationsmittel seiner natürlichen Beschaffenheit als Edelmetall durchaus enthoben werden und als Kurantmünze, Papiergeld oder Giralgeld fungieren. Wenn aber die Warenzirkulation und damit auch der Geldumlauf unterbrochen wird oder zu unterbrechen droht, dann tritt die materielle Existenz des Geldes als Gold oder Silber in den Vordergrund und das Edelmetall wird gehortet, sodass wiederum sein Preis als besondere Ware steigt.) Das Münzgeld als Pfund Sterling ist dann nicht mehr bloß ein Zeichen, sondern ist Maß der Preise als allgemeines Äquivalent sowie Tauschwert. „Es stellt vor den Preis der einen Ware gegenüber allen andren Waren, oder den Preis aller Waren gegenüber einer Ware. Es ist in dieser Beziehung nicht nur Repräsentant aller Warenpreise, sondern Zeichen seiner selbst, d.h. in dem Akt der Zirkulation selbst ist seine Materie, Gold und Silber, gleichgültig.“(125) „Als solches gegenständliches Zeichen also ist es nur in der Zirkulation; aus ihr herausgenommen ist es wieder realisierter Preis; innerhalb des Prozesses aber ist, wie wir gesehen haben, die Quantität, die Anzahl dieser gegenständlichen Zeichen der monetären Einheit wesentlich bestimmt. Während also in der Zirkulation, worin das Geld als existierendes den Waren gegenüber erscheint, seine materielle Substanz, sein Substrat als bestimmtes Quantum Gold und Silber gleichgültig ist, dagegen seine Anzahl wesentlich bestimmt ist, da es so nur ein bestimmtes Zeichen für bestimmte Anzahl dieser Einheit ist, war in seiner Bestimmung als Maß, worin es nur ideell gesetzt war, sein materielles Substrat wesentlich, aber seine Qualität und seine Existenz überhaupt gleichgültig. Es folgt daraus, dass das Geld als Gold und Silber, soweit es nur als Zirkulations-, Tauschmittel ist, durch jedes andere Zeichen, das ein bestimmtes Quantum seiner Einheit ausdrückt, ersetzt werden kann und so symbolisches Geld das reelle Geld ersetzen kann, weil das materielle Geld als bloßes Tauschmittel selbst symbolisch ist.“(126) Da die Geschwindigkeit des Geldumlaufs auch durch Umstände beeinflusst werden kann, die unabhängig von der Zirkulation sind, muss die Quantität der Zirkulationsmittel wechseln können, da die Zirkulation kontraktiert und expandiert. (Die geldpolitischen Instrumente der Zentralbanken, Mindestreserve, Offenmarkt und Leitzinsen, zeugen von diesem staatlichen Einfluss auf die Geldmenge. Der Monetarismus sieht in der Steuerung der Geldmenge das wesentliche Instrument der Konjunkturpolitik, die Angebotsseite, d.h. die Unternehmensseite, zu stabilisieren. Von daher ist die Stabilisierung des Geldwertes von entscheidender Bedeutung. Angebot vor Nachfrage; im Gegensatz zur Nachrage orientierter Wirtschaftspolitik des Keynsianismus.) Als bloßes Zirkulationsmittel hört Geld auf Ware zu sein. Aber: „Auf der anderen Seite kann von ihm gesagt werden, dass es nur mehr Ware ist (allgemeine Ware), die Ware in reiner Form, gleichgültig gegen ihre natürliche Besonderheit und daher gleichgültig gegen alle unmittelbaren Bedürfnisse…“(127)
Geld als Kapital (G-W-W`-G ́)
Das Geld ist hier nicht Maß und Tauschmittel, sondern Selbstzweck und tritt daher aus der Zirkulation heraus. Historisch kann das Geld als Maß gesetzt sein, bevor es als Tauschmittel erscheint, aber auch umgekehrt. Geld als Geld kann auch historisch vor den beiden anderen Bestimmungen erscheinen. „Aber als Geld können Gold und Silber nur angehäuft werden, wenn sie in einer der beiden Bestimmungen schon vorhanden sind und in der zweiten Bestimmung kann es entwickelt nur erscheinen, wenn es in den beiden früheren entwickelt ist.“(130) Die Selbständigkeit des Geldes als Geld ist Resultat des Zirkulationsprozesses und das Geld als Geld bezieht sich auf die Zirkulation. Geld als Kapital ist 1. der Voraussetzung nach Resultat der Zirkulation, 2. es steht in einem „negativen Bezug“ zur Zirkulation, da es aus dieser (zeitweilig) heraustritt und es ist 3. Produktionsmittel, da es als ein besonderes Moment des Produktionsprozesses auftritt. 4. Das Geld erscheint als Verhältnis zu sich selbst vermittelst der Zirkulation – im Verhältnis von Zins und Kapital. Das Geld ist die „körperliche Form des Reichtums“(132), da es 1. die Preise realisiert, 2. jedes Bedürfnis befriedigt, insofern es gegen das Objekt jedes Bedürfnisses ausgetauscht werden kann. „Im Geld ist der allgemeine Reichtum nicht nur eine Form, sondern zugleich der Inhalt selbst. „Das Geld ist daher der Gott der Waren.“(132) „Aus seiner Knechtschaft, in der es als bloßes Zirkulationsmittel erscheint, wird es plötzlich der Herrscher und Gott in der Welt der Waren. Es stellt die himmlische Existenz der Waren dar, während sie seine irdische darstellen.“(…) „Das Geld ist nicht nur ein Gegenstand der Bereicherungssucht, sondern es ist der Gegenstand derselben.“(133) Die Gier als Bereicherungssucht, d.h. als Sucht auf alles, was käuflich ist, ist nur möglich, sobald der allgemeine Reichtum in einem besonderen Ding, dem Gelde, individualisiert ist, sobald das Geld als Geld (als Kapital) funktioniert. Das Geld ist Quelle der Bereicherungssucht. Habsucht ist auch ohne Geld möglich. „Daher der Jammer der Alten über das Geld als die Quelle alles Bösen. Die Genusssucht…und der Geiz sind die zwei besonderen Formen der Geldgier.“(…) „Die Geldgier (Bereicherungssucht) ist notwendig der Untergang der alten Gemeinwesen.“(134) – (Weil die alten Gemeinwesen Geld im Wesentlichen nur als Tauschmittel, und somit als Maß, und Zahlungsmittel, und somit als Zirkulationsmittel, verwendet haben und nicht als Kapital. Siehe dazu Aristoteles. ) „Bei den Griechen und Römern erscheint das Geld erst unbefangen in seinen beiden ersten Bestimmungen als Maß und Zirkulationsmittel, in beiden nicht sehr entwickelt. Sobald sich aber entweder ihr Handel etc. entwickelt, oder, wie bei den Römern, die Eroberungen ihnen Geld massenhaft zuführt – kurz, plötzlich auf einer gewissen Stufe ihrer ökonomischen Entwicklung erscheint das Geld notwendig in seiner dritten Bestimmung, und je mehr es sich in derselben ausbildet, als Untergang ihres Gemeinwesens. Um produktiv zu wirken, muss das Geld in der dritten Bestimmung… nicht nur Voraussetzung, sondern ebenso Resultat der Zirkulation sein… Bei den Römern z.B., wo es aus der ganzen Welt zusammen gestohlen war, war dies nicht der Fall. Es liegt in der einfachen Bestimmung des Geldes selbst, dass es als entwickeltes Moment der Produktion nur existieren kann, wo die Lohnarbeit existiert. (…) Als materieller Repräsentant des allgemeinen Reichtums als der individualisierte Tauschwert muss das Geld unmittelbar Gegenstand, Zweck und Produkt der allgemeinen Arbeit, der Arbeit aller Einzelnen sein.“(134f.) Wenn der Zweck der Arbeit nicht mehr ein besonderes Produkt ist, das in einem besonderen Verhältnis zu den besonderen Bedürfnissen des Individuums steht, sondern das Geld, dann „hat erstens die Arbeitsamkeit des Individuums keine Grenze… sie ist erfinderisch im Schaffen neuer Gegenstände für das gesellschaftliche Bedürfnis etc.“(135) „Wo das Geld nicht selbst das Gemeinwesen, muss es das Gemeinwesen auflösen. Der Antike konnte unmittelbar Arbeit kaufen, einen Sklaven; aber der Sklave konnte mit seiner Arbeit nicht Geld kaufen… Die Negersklaverei –eine rein industrielle Sklaverei – die ohnehin mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft verschwindet und unverträglich ist, unterstellt sie, und wenn nicht andere freie Staaten mit Lohnarbeit neben ihr existierten, sondern sie isoliert, würden sich sofort alle Gesellschaftszustände in den Negerstaaten in vorzivilisierte Formen umwandeln.“ (136) Die bürgerliche Gesellschaft unterscheidet sich ökonomisch von anderen Gesellschaftsformationen dadurch, dass die Arbeit unmittelbar den Tauschwert produziert, also Geld, und dass Geld unmittelbar Arbeit kauft. „Lohnarbeit nach der ersten Seite, Kapital nach der zweiten, also nur andere Formen des entwickelten Tauschwerts und des Geldes als seiner Inkarnation. Das Geld ist somit unmittelbar zugleich das reale Gemeinwesen, insofern es die allgemeine Substanz des Bestehens für alle ist, und zugleich das allgemeine Produkt aller.“(137)