Konsolidierung und Ausweitung des US- Finanzimperiums

Krieg ist Begründer und Bewahrer von Imperien – zugleich auch der Beginn ihrer Zerstörung durch Kriegsfinanzierung.

Während des Ersten Weltkrieges ist eine neue Art von Imperium entstanden, das nicht mehr seine Existenz allein auf der Verfügungsmacht über Boden und stoffliche Ressourcen fremder Länder und ihrer Bevölkerungen verdankt, sondern dem staatlichen und halbstaatlichen Finanzkapital.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die politökonomischen Voraussetzungen für die Bewahrung und globale Ausweitung des Finanzimperiums gelegt, indem die USA zusammen mit dem alten und zusammenfallenden britischen Imperium das System Bretton Woods im Jahre 1944 entwickelte.

Das Leih-Pacht-System in den Jahren 1941-1945 war die Voraussetzung der Konsolidierung und Reform des neuen Finanzimperiums. Die US-Regierung kaufte sämtliche Waffen des im Aufbau befindlichen militärisch-industriellen Komplexes aus amerikanischer Produktion und lieh sie den europäischen Mächten. Vor dem 11.3.1941 verkauften die USA dem britischen Verbündeten Waffen und Lebensmittel gegen „Barzahlung und Abholung“ (cash und carry), weil die königliche Regierung ihre Schulden aus dem Ersten Weltkrieg noch nicht bezahlt hatte. Als den Briten Geld und Gold ausgingen, erließ der Kongress den „Lend-Lease Act“ am 11.3.1941 mit dem Ziel, die „Verteidigung der nationalen Interessen“ in Europa zu fördern. (Eine Formulierung, die die nationalen Interessen der USA global zum Ausdruck bringt) Das Geld floss in die Ausweitung der militärischen Produktion bei Ford, Chrysler, Boeing, Bell u.a. Großunternehmen des militärischen-industriellen Komplexes. Die FED war sozusagen eine Selbstorganisation des US-Kapitals – des privaten und staatlichen Kapitals. Der Lend-Lease-Act verpflichtete die sich im Krieg befindlichen Staaten neben der Leihpacht auch, nach dem Krieg der USA Militärstandorte und Ausrüstung zu überlassen und zu einer liberalisierten Wirtschaftsordnung beizutragen. (2022 beschloss der US-Kongress ein Lend-Lease-Gesetz für die Ukraine) Nur die Sowjetunion musste direkt bezahlen. Nach dem Überfall von Pearl Harbor am 7.12.1941 und der deutschen Kriegserklärung an die USA traten die USA am 11.12.1941 in den europäischen Weltkrieg mit ein.

Schon während des Krieges entwickelte die US-Regierung ihr Nachkriegspolitik. Ihre Ziele waren: Verringerung der Staatsausgaben, Schaffung von 60 Millionen Arbeitsplätze, Vollbeschäftigung durch „offene Märkte“, v.a. in Europa, sowie Ausweitung der amerikanischen Direktinvestitionen für privates Kapital. Um diese Ziele zu erreichen, mussten protektionistische Maßnahmen vermieden und Freihandel etabliert werden.

„Der Leitgedanke war also, dass die amerikanische Wirtschaft wachsende Exportmärkte brauchte, um Vollbeschäftigung zu erreichen und nach dem Krieg die politische Stabilität der amerikanischen Gesellschaft zu gewährleisten.“ (Hudson, Der Finanzimperialismus, Klett-Cotta, S.143) Die Propaganda des „Goldenen Zeitalters“ und des „Amerikanischen Traums“ begann.

Der Rückfluss des Kapitals sollte sich grundsätzlich von jenem des Ersten Weltkrieges unterscheiden, um nicht wieder den gleichen Fehler mit den riesigen krisenhaften Folgen für die USA nach der Großen Depression zu machen. Um diese Ziele zu erreichen, schuf man zwischen 1941 und 1945 den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank. Dieses Bretton Woods -System sollte den Rückfluss des Finanzkapitals zurück in die USA anders gestalten als nach dem Ersten Weltkrieg.

Die erste Phase dauerte bis 1952, als der Dollar zur Reservewährung für Gold wurde. Das Bretton Woods – System umfasst drei internationale Institutionen: die Weltbank, den IWF und GATT (das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen). IWF und Weltbank sind wie private Aktiengesellschaften aufgebaut (siehe den Aufbau der FED). Die USA hat einen Stimmenanteil von jeweils 27% (der bis zu 33% steigen kann, wenn andere Länder den Dollar ziehen) und das Vetorecht. Die Kapitalbeteiligung betrug 1944 drei Milliarden Dollar. Das Gold fungierte als Wertdeckung. 1945 hielten die USA 59% der weltweiten Goldreserven. Der Wert des Goldes beruhte darauf, das es universell als Geld anerkannt wurde. Aus diesem finanzpolitischen Aspekt heraus, waren die USA der Mehrheitseigentümer des Goldes sowie die Hüterin des Goldstandards und der Welthandels.

Die Ziele von Bretton-Woods: „Man wollte die Exporte der USA erhöhen, indem man den Importländern über den IWF und die Weltbank Dollarkredite gewährte und den globalen Freihandel durchsetzte…Die Goldvorräte sollten als Grundlage der Finanzmacht erhalten werden, und die uneingeschränkte Eigenständigkeit der Vereinigten Staaten sollte gewahrt werden…“ (Hudson, 153f.) Die „uneingeschränkte Eigenständigkeit“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg militärpolitisch durch die NATO gewährleistet. Die kommunistischen Länder Europas wurden ausgeschlossen.

Der finanzpolitische Nukleus des Bretton Wood – Systems und damit die Reform des US-Finanzimperialismus bestand in den Goldressourcen, deren Quellen unbedingt erschlossen werden mussten. Sie lagen in Südamerika, dem Hinterhof der USA (Monroe-Doktrin). Die Erschließungsmethode lag im so genannten „Dreieckshandel“ zwischen USA-Europa-Lateinamerika. (Der Handel erinnert mich stark an den Handel mit Sklaven während des 16. und 17. Jahrhunderts) Er verlief folgendermaßen: Mit den Krediten der USA nach Europa (GB, Frankreich, Belgien, BRD u.a.) wurde die europäische Exportindustrie finanziert. Ihre Ausfuhren nach Lateinamerika wurden mit dortigen Goldreserven bezahlt. Mit diesem Gold leisteten die europäischen Länder ihre Schuldendienste an die USA. Die USA verkauften nach Europa zuerst landwirtschaftliche Produkte, dann industrielle Fertigprodukte (Eisschränke, Elektrogeräte für den Haushalt, Autos…). Das Bretton Woods- System war kein multilaterales internationales Finanzsystem, sondern ein verdecktes, marktkonformes postkoloniales System des Finanzimperialismus der USA. (Neokolonialismus)

Die zweite Phase des Bretton Wood – Systems begann 1952, als die Mittel des IWF und der Weltbank nach dem Koreakrieg nicht ausreichten, um die internationalen und finanziellen Erfordernisse zu erfüllen. „Die USA versorgten die Welt mittels deren Zahlungsbilanzdefizite mit Dollar, das heißt sie beschafften sich mit der amerikanischen Notenpresse ausländische Mittel, anstatt ihre eigenen realen Ressourcen einzusetzen. Dies ist die privilegierte Position jeder Reservewährung. Hinter der Fassade rhetorischer Bekenntnisse zum Multilaterlismus verbargen die Bretton – Woods- Institutionen ein britisch -amerikanisches Schlüsselwährungssystem.“ (Hudson, 157)

„Das Geld, das der Weltbank und dem IWF durch Kreditrückzahlungen zufloss, wurde nicht einfach in die amerikanische Wirtschaft geleitet und damit der Weltwirtschaft entzogen, sondern in neue Kredite investiert. So wurde ein Reservoir an zwischenstaatlichem Kapital erhalten, das als internationales Kreditkonsortium eine tragende Rolle in der Weltdiplomatie übernahm (…) um weltweit eine Politik der offenen Tür durchzusetzen und in die koloniale Einflusssphäre vorzudringen. IWF , Weltbank, GATT und die amerikanische Auslandshilfe bildeten ein System, das es den USA ermöglichte, ihre Wirtschaftsmacht politisch zu nutzen.“ (Hudson. 137f.)

In der Folge verwandelte sich das Imperium zwischenstaatlichen Kapitals in ein riesiges Monster, das sich durch die reale Wertschöpfung anderer Länder ernährte und sie im finanzpolitischen Würgegriff der „nationalen Interessen und der Sicherheit der USA“ hielt. Die Länder des globalen Südens wurden in ein Kredit/Verschuldungssystem des Neokolonialismus gepresst, das jegliche eigenständige und souveräne Entwicklung dieser Länder unterband. Ein solches Finanzimperium erfordert militärische Präsens weltweit, die immense Kosten verursacht und aus dem Haushalt bezahlt werden muss. Die USA hat 2025 27 Billionen Dollar Schulden.

Die USA unterhält weltweit zahlreiche Militärstützpunkte, um ihre globalen nationalen Interessen zu sichern. Je nach Definition, was man unter einem militärischen Stützpunkt versteht, unterscheiden sich die Anzahlen von 4 855 bis zu 800 Militärstützpunkten im Ausland. Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg 9 Kriege geführt, die schätzungsweise zwischen 10 und 15 Millionen Tote gefordert haben. Propagandistisch wurden provozierte Kriege und militärische Interventionen wie „Regimechange“ unter dem Label „Weltpolizist“, Verteidiger der Freiheit und der Menschenrechte und eines gerechten Friedens und einer freiheitlichen Ordnung unter Zuhilfenahme des Militärs sowie der Verteidigung der liberalen Demokratie gegen Reiche des Bösen geführt. Da die Unterhaltung des Militärs und die Finanzierung von Konflikten und Kriegen weltweit das Budget der USA überfordert haben, soll trotzdem nicht nur das Aufgabengebiet der NATO in den indopazifischen Raum erweitert werden, sondern die Kostenverteilung der NATO auf andere europäische Mitglieder erweitert werden. Alles dient dem Zweck der Finanzialisierung und Aufrechterhaltung der liberalen regelbasierten Weltordnung im Rahmen des US-Imperialismus gegen China und den BRICS-Staaten, die aus guten Gründen diesen Imperialismus bekämpfen müssen, wollen diese Staaten sich entwickeln und die weltweite Armut beseitigen.

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