Geld in seiner Warenform, nicht als Äquivalent, ist Geldkapital oder Kreditgeld. Es ist eine abstrakte Wertgröße, die einen Wertzuwachs darstellt und als Zins und Zinseszins erscheint. Kreditgeld ist Finanzkapital.
Das Finanzkapital hat seine Funktionen im Verlaufe seiner Existenz geändert und sich entwickelt als eine neue, antizivilisatorische Quelle der Kapitalakkumulation.
Als industrielle Investition ist das Finanzkapital mit der industriellen Warenproduktion direkt verschmolzen. Es erscheint als Anteil am Profits. Es trägt zudem dazu bei, die Monopolisierung der industriellen Konzentration und Zentralisation des Sachkapitals zu beschleunigen. Es erfüllt die Funktion eines Schmieröls in der kapitalistischen Produktionsweise. Es hat „dienende Funktion“.
Das Finanzkapital tritt auch in seiner „fiktiven“ Funktion auf als spekulatives Kapital. Es tritt als Anleihe auf. Geldkredit als Leihe ist kein Finanzkapital.
Die Bewirtschaftung des Finanzkapitals hat im Laufe seiner Geschichte zur „Finanzialisierung“ aller Lebensbereiche des privaten und gesellschaftlichen Lebens geführt. Der Neoliberalismus ist ideologischer Ausdruck und Theorie des Finanzkapitals. Grundlage für diese Ausweitung seiner Funktionen stellt die Technologie der Sammlung und sofortigen Verfügbarkeit aller möglichen Daten dar. Diese Hochtechnologie der Datenerfassung stellt die adäquate Maschine für das Finanzkapital dar, weil sie nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch zukünftige, noch nicht materialisierte Gewinne analysieren kann.
Die private Kapitalisierung des Finanzkapitals hat im Zuge und auf Grundlage des industriellen Kapitals ebenfalls zu einer Zentralisierung und Konzentrierung des Kapitals geführt. Das Privateigentum des industriellen Kapitals, des Handels und der Dienstleistung tendiert aufgrund der Konkurrenz privater Kapitalien zur Monopolisierung großer Unternehmungen. Das gilt ebenfalls für die Banken als Geldgeber und andere Kapitalsammelstellen und Verwaltungsinstitutionen. Diese Tendenz zur Monopolisierung hat nicht nur dazu geführt, das Privateigentum ursprünglich einzelner Kapitalisten (Familienbetriebe) zu vergesellschaften und auf nur noch wenige Kapitalisten zu konzentrieren, sondern auch dazu, dass Finanzkapital staatliche Funktionen ausgeübt hat. Außerdem hat es eine Institution geschaffen, die nicht nur Kapital verwaltet, selbst als Großinvestor auftritt (ETF-Aktien), mit digitaler Hochtechnologie Daten analysiert und Finanzprodukte anbietet. (Black Rock,) Vanguard als der andere große Vermögensverwalter, selbst Anteilseigner mit 9% bei Black Rock, vertritt nur Fonds und ist nicht an der Börse notiert und deshalb, im Gegensatz zu Black Rock, auch juristisch nicht rechenschaftspflichtig. Vanguard ist sozusagen bloße Finanzstruktur und reine Kapitalrente ( „ökonomische Rente“ ). Man kennt seine Eigentümer nicht.
Das private Finanzkapital ist international tätig. Seine Privateigentümer sind transnational. Seine Großinvestoren und Spekulanten bilden eine gesonderte Kapitalistenklasse, eine Rentenoligarchie, mit unterschiedlichen Verwertungsinteressen ihres Kapitals gegenüber jenen der Eigentümer in der Realwirtschaft. Seine Organisationen als juristische Personen sind national.
Die operative Verselbständigung des privaten Finanzkapitals ist eine weitere Erscheinung. Es hat seine dienende Funktion in eine eigene Verwertbarkeit überführt, indem es Kapital akkumuliert über die Maximierung von Börsenwerten und über die Dividendenausschüttung für Aktionäre durch Aktienrückkäufe. Ein weiterer Grund liegt auch im Ausbau des Handels mit Derivaten, der Devisenspekulation und anderen Zinsgeschäften, z.B. des Immobilienmarktes. Gemessen am BIP und den Unternehmergewinnen hat in manchen Staaten der Finanzsektor den größten Anteil. Die Kehrseite ist indes, dass er ein Wachstumstreiber der Schulden für Staaten, Unternehmen und Haushalte ist und die Entwicklung produktive Arbeit (Wertproduktion) verhindert.
Marx hat das Kreditwesen als ein „Haupthebel“ der „Überproduktion und Überspekulation“ benannt. (Das Kapital, Bd.3, S.457) Es ist auch im 20. und im 21. Jahrhundert für Weltwirtschaftskrisen verantwortlich, wie auch schon zuvor für Kriege.
Europäische Banken haben im 19. Jahrhundert die Industrialisierung der USA mitfinanziert. Das Finanzkapital war international. Andererseits haben nationale Banken nationale Industrien und nationale Infrastruktur finanziert. (Siehe Deutsche Bank/ Dresdner Bank) Das Kreditwesen trug in dieser Phase dazu bei, die industrielle Technik, seine Entwicklung und die nationale Warenproduktion zu finanzieren wie deren Export. Während kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges in den USA 1913 die Zentralbank FED entstand, die über ihre Funktion, die Währung zu stabilisieren, hinaus auch Finanzgeschäfte des Staates tätigen konnte, kristallisierte sich das Finanzkapital zu einem staatlichen Akteur auf dem Finanzmarkt. Als während des Ersten Weltkrieges der US-Staat den Krieg der Alliierten finanzierte, wandelte sich der Staat zu einem Gläubiger von Staaten, dessen Interesse es war, seine Kriegsinvestitionen mit Zins und Zinseszins mit Hilfe von Reparationen und Schuldentilgung zu kapitalisieren. Dabei halfen ihm die US-Großbanken. J.P.Morgen § Co. spielte bei der Kriegsfinanzierung eine große Rolle sowie bei der Umstrukturierung deutscher Reparationen im Dawes Plan 1924. Weitere Großbanken waren im Kriegsgeschäft tätig. Die National City Bank (später Citybank), die Chase National Bank (heute Teil von J.P.Morgan) und die Guaranty Trust Company of New York, die später auch mit J.P.Morgen fusionierte. Sie engagierte sich stark im internationalen Geschäft und bei Auslandskrediten. Diese Banken waren maßgeblich an der Finanzierung des europäischen Wiederaufbaus nach dem Ersten Weltkrieg, der Handelspartnerfinanzierung und der Umschuldung von Kriegsschulden beteiligt. Sie profitierten von der Schwäche europäischer Banken und der Verschiebung des Finanzzentrums von London nach New York. Die FED unterstützte diese Internationalisierung der US-Banken erstmals aktiv.
In dieser Phase ist die USA zu einem Finanzimperium geworden. Es hat die Schranken nationaler Gebundenheit aufgehoben. Die Phasen der Weltwirtschaftskrise 1927 zeigt die beherrschende und zentrale Rolle des Finanzkapitals. Auf eine „Überspekulation“ in den USA folgte eine Krise des internationalen Finanzkapitals und seiner Banken, die eine Wirtschaftskrise auslöste, die die industrielle Produktion zum Erliegen zwang und Massenarbeitslosigkeit und Elend hervorbrachte. Besonders in den USA.
Die Weltwirtschaftskrise 1929 war ihrerseits der erste Schritt in Richtung des Zweiten europäischen Krieges, weil die USA eine nationale Wirtschaftspolitik betrieb, ihre Kriegskredite von den westlichen Alliierten zurückzufordern und die ihrerseits wiederum ihre Schulden mit Hilfe der deutschen Reparationen zu bedienen trachtete. Der Nationalismus in Europa in seiner radikalsten ideologischen Form des Faschismus feuerte neue Aufstände an.
„Wir müssen die Ursprünge der Katastrophe im Aufstieg und Fall der Marktwirtschaft suchen. (…) Marktwirtschaft, Freihandel und Goldstandard waren englische Erfindungen. In den zwanziger Jahren brachen diese Einrichtungen allerorten zusammen – in Deutschland, Italien oder Österreich war dieser Zusammenbruch nur stärker politisch geprägt und dramatischer….die langfristigen Faktoren, die diese Zivilisation zerstörten, müssen an der Geburtsstätte der industriellen Revolution, England, untersucht werden.“ ( Karl Polanyi, The Great Transformation, 1944 geschrieben, Suhrkamp taschenbuch 1978, S.55) Polanyi fährt fort, der Marktwirtschaft liege das Prinzip eines Systems des selbstregulierenden Marktes und jenes des daraus folgenden Prinzips des Gewinnstrebens zugrunde, das eine ganze westliche Zivilisation erfasst habe. Michael Hudson hat diese Polanyi These spezifiziert, indem er den Finanzkapitalismus als den Verursacher für den Niedergang der westlichen Zivilisation verantwortlich macht. Eine sehr gute Zusammenfassung seiner Auffassungen ist zu sehen auf: You Tube, Glenn Diesen: Michael Hudson: Das Schicksal der Zivilisation- Finanzwahn und Zusammenbruch.
Ich hoffe, dass nach dem ökonomischen Zusammenbruch einer so genannten liberalen und globalen regelbasierten Wirtschaftsordnung und dem ökonomischen Niedergang des US-Imperiums der „Trumpismus“ „Make Amerika Great Again“ , gleichsam eine Reminiszenz der 20.er Jahre des 20. Jahrhunderts, nicht der Beginn des wahrscheinlich Letzten Krieges und Folge der zwei ersten Weltkriege wird. „Völker hört die Signale…!!!