Ein Gedankenexperiment

Man stelle sich vor:

Was geschehe, wenn eine singuläre Künstliche Intelligenz des mathematisch formalisierten Wissens und Problemlösens die Kosten sowohl des Produktions- als auch des Zirkulationsprozesses gegen 0 triebe, der Marktwettbewerb (Konkurrenz) zum Erliegen käme so wie jegliche Investitionstätigkeit ?

Karl Marx hat in den Heften IV zu den Grundrissen diesbezüglich logisch gefolgert:

„Die zur Erhaltung des Arbeitsvermögens notwendige Arbeit würde vermindert und so die Surplusarbeit, der Mehrwert, vermehrt (…), ohne dass es dem Kapital das Geringste kostete.“- „Eine solche Vermehrung der Produktionskraft, eine Maschinerie, die ihm nichts kostete, ist die Teilung der Arbeit und die Kombination der Arbeit innerhalb des Produktionsprozesses. (…) Dauerte die Maschinerie ewig, bestünde sie nicht selbst aus vergänglichem Material, das reproduziert werden müsste, wäre sie ein perpetuum mobile, so entspräche sie am vollständigsten ihrem Begriffe. Ihr Wert bauchte nicht ersetzt zu werden, weil sie in einer unzerstörbaren Materialität fortdauerte.“ (Marx)

Eine solche „kostenlose“ Maschine ohne menschliche Arbeitskraft kostet leider verschiedenartige Rohstoffe. Der „künstliche Geist“ braucht Stoff und Körper. Daher die vielen Kriege, um Zugänge zu preiswerten Rohstoffen zu erreichen.

Weiter sei angenommen:

Diese enorme Produktivkraft gesellschaftlicher Arbeit läge in den Händen des Privateigentums an den Produktions- , Distributions- und Informationsmitteln. Das hätte zur Folge eine ungeheure Konzentration und Zentralisation des Kapitals und eine ungeheure politische Machtkonzentration. ( siehe Prototyp Musk=erster Trillionär) Andererseits zerstörte diese Produktivkraft das Produktionsverhältnis, aus der sie hervorgegangen ist, – das Produktionsverhältnis Kapital und Lohnarbeit. Was immense soziale Auswirkungen zur Folge haben würde. Eine Zunahme KI-gesteuerter autoritärer Regierungsformen wäre die Konsequenz, wenn Unruhen und Revolutionen verhindert werden müssen.

Kurz gesagt:

Die Entwicklung der Produktivkräfte stößt an die Grenzen kapitalistischer Produktionsverhältnisse.

„Da capital fix nur angewandt wird, insofern es als Wert geringer ist wie als wertsetzend, würde, obgleich es selbst nie (auf einmal) als Wert in die Zirkulation träte, der in dem Capital circulant realisierte Surpluswert dennoch bald die Avancen (Vorschüsse) ersetzen, und so würde es wertsetzend wirken, nach dem seine Kosten für den Kapitalisten, ebenso wie der der Surplusarbeit, die er sich aneignet, gleich o wären. Es würde die Produktivkraft der Arbeit fortwirken und zugleich Geld in der dritten Bedeutung für sich seiender Wert sein.“ (Marx)

Jegliche Entwicklung von Produktivkräften ist ein Produkt gesellschaftlicher Arbeit, doch keine Entwicklung „natürlicher oder geistiger Evolution“. Jede Entwicklung findet unter bestimmten ökonomischen Formationen von Produktionsverhältnissen und der sie stützenden politischen Macht statt.

Am Ende dieses Artikels möchte ich noch auf die Begriffsverschiebung von Wissen zur Information eingehen. Sie ist ein Resultat der Mathematisierung der Realität seit Beginn der europäischen Aufklärung.

Kybernetische Maschinen stellen „mathematisch formalisiertes Wissen“ dar. Nach André Gorz (Wissen,Wert und Kapital, Zur Kritik der Wissensökonomie) liegt eine unterschiedliche Definition in der so genannten „Wissensökonomie“ vor. Er kritisiert, Wissen könne nicht „in einfache, abstrakte Einheiten übersetzt werden und nach solchen bemessen werden. Es ist nicht auf eine Quantität abstrakter Einheiten reduzierbar, deren Ergebnis Produkt oder Äquivalent es wäre.“ Wissen umfasse verschiedene Tätigkeiten ohne gemeinsamen Maßstab. Kybernetiker und Informatiker haben ab Mitte der 50er Jahre des 20.Jahrhunderts den Begriff Wissen durch den der Information ersetzt.

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