Die Logik der „kapitalistischen Produktionsweise“ (K.Marx) in ihrer privaten Form, Geldkapital zu akkumulieren, und in ihrem Kampf um Marktanteile und Marktoligopole durch politisch koordinierte und subventionierte Entwicklung gesellschaftlich produzierte Produktivkräfte zu entwickeln sowie die Reduzierung der notwendigen Arbeitszeit zu erzielen, um Produktionskosten zu sparen, und dem Gesetz der fallenden Profitrate entgegenzuwirken, komme ich zu der Schlussfolgerung, dass eine neue Transformation der herrschenden liberalen Ökonomie und ihrer „kapitalistischen Produktionsweise“ wie ihrer liberal – demokratischen Systeme durch ein neues digital und algorithmisch gesteuertes Produktions, – Distribution,-und Kommunikationssystem ansteht, da die neue KI-Technologie die Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise sprengen wird.
Diese von Privateigentümern organisierte und gesteuerte „kapitalistische Produktionsweise“ nenne ich „Kapitalismus“.
Der Kapitalismus ist eine Wirtschaftslehre und nicht gleichzusetzen mit der „kapitalistischen Produktionsweise.“ Die Eigentümer der Kapitalien können eine andere, nicht auf privaten Gewinn abzielende Wirtschaftslehre verfolgen. Andere Formen gesellschaftlichen Eigentums (Staatseigentum oder Genossenschaftseigentum oder kommunales Eigentum) benötigen ebenfalls eine kapitalistische Produktionsweise.
Der Begriff Kapitalismus ist von Werner Sombart (1902) im Sinne eines „kapitalistischen Geistes“ eingeführt worden, der rücksichtsloses Streben nach Gewinn und planvolle, rechende und disziplinierte Führung der Wirtschaft zum Ziel habe. Wenige Jahre später schreibt Max Weber das Buch „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus.“ (1904/5). Die politische Linke in Deutschland hat die Form der „kapitalistischen Produktionsweise“ als private Aneignung fremder Arbeit mit der historisch entstandenen gesellschaftlichen Arbeitsteilung vermischt und ist auf Grundlage des „kapitalistischen Geistes“ zu der Überzeugung gekommen, dass die „kapitalistische Produktionsweise“ von vornherein ungerecht, ausbeuterisch und moralisch die Würde des Menschen als freies Wesen verletze.
Die liberalen Ökonomen von Petty bis Ricardo oder St.Mill verwenden den Kapitalismus-Begriff nicht. Ihr Kritiker Karl Marx auch nicht. Er spricht von einer „kapitalistischen Produktionsweise“ und einem „kapitalistischem Produktionsverhältnis“. die sich von agrarischen Produktionsweisen und Formen wie Ökonomien (Hauswirtschaft, feudale Grundherrschaft) und antiker wie mittelalterlich städtischer Warenproduktion unterscheiden. Die „kapitalistische Produktionsweise“ transformiert in politischen Klassenkämpfen, kriegerischen Auseinandersetzungen Elemente privater, zersplitterter einzelner, an Zunftordnungen gebundene, mit „natürlicher Arbeitsteilung“ innerhalb einer Hauswirtschaft, private Arbeit und Aneignung ihrer Produkte oder deren Marktgewinne in eine neue produktivere Form gesellschaftlicher Arbeitsteilung. Adam Smith hat das Resultat dieses Prozess, die gesellschaftliche Arbeitsteilung und die Form ihrer Vermittlung in der Marktwirtschaft, nicht nur als Ausgangskategorie seines epochalen Werkes „Wohlstand der Nationen“ genommen, sondern sie auch universal als „natürliche Form“ der Arbeitsteilung verstanden.
Die ökonomische Struktur der „kapitalistischen Produktionsweise“ besteht aus zwei Elementen: dem Privateigentum an den Produktionsmitteln, ihren Produkten in Warenform und den getätigten Investitionen und der Arbeit.
Die soziale Struktur aus vertraglich gebundenen Arbeitskräften und den Kapitaleigentümern.
Die Einkommensstruktur aus Lohn (und anderen Formen des Entgeltes) und Profit.
Die Ausdehnung der Warenproduktion auf interdependenten Märkten, national und global, nahm ihren Anfang in den Städten, wo sich Handelskontore, Manufakturen und Banken befanden. Die Entdeckungen in Übersee sowie ihre Kolonisierung förderten die Kapitalbildung und damit die kapitalistische Produktionsweise. Die strukturelle Loslösung der Produzenten von ihren eigenen Produktionsmitteln und ihre Überführung in ein neues Fabrikwesen revolutionierte die Industrie und die Produktivkräfte. Dies geschah durch Gesetze, Enteignungen und polizeiliche Maßnahmen, durch Landflucht aufgrund feudaler Zwangsverhältnisse oder durch privaten Terror.
Obwohl die gesellschaftliche Arbeitsteilung sich immer mehr verzweigte, die Produktion ihren privaten Charakter verlor, die Aneignungsform privater Kapitaleigentümer blieb indes bestehen und drückte sich im Profit, der Grundrente sowie im Zins des zinstragenden Industriekapitals aus. Der Industriekapitalismus hat den Wohlstand der Nationen und nicht nur den der Bourgeoisie dieser Nationen gemehrt, sondern auch der Lohnabhängigen, wenn auch im unterschiedlichem Maße. Aufgrund von immanenten Widersprüchen entstanden ökonomische und mit ihnen auch politische Krisen, die in der Regel von den Produzenten „bezahlt“ wurden. Auf lange Sicht der verschiedenen Konjunkturzyklen entwickelten sich dennoch die gesellschaftlichen Produktivkräfte und somit auch die Konzentration und Zentralisation des Kapitalbesitzes und damit das Kapitalvermögen in den Händen Weniger.
„So wurde also die nunmehr gesellschaftlich erzeugten Produkte angeeignet nicht von denen, die die Produktionsmittel wirklich in Bewegung gesetzt und die Produkte wirklich erzeugt hatten, sondern von Kapitalisten. Produktionsmittel und Produktion sind wesentlich gesellschaftlich geworden. Aber sie werden unterworfen einer Aneignungsform, die die Produktion einzelner zur Voraussetzung hat, wobei also jeder sein eigenes Produkt besitzt und zu Markte bringt.“ ( Fr, Engels, Anti-Dühring , Bd. 20, 248ff.)
Marx hat die die kapitalistische Produktionsweise also als eine grundlegende ökonomische Struktur verstanden, die die agrarischen Strukturen aristokratischer Herrschaft verändert hat. Sie ist und war eine, im Vergleich zu einer statisch organisierten Agrarökonomie eine revolutionäre Veränderung.
Im Maschinenfragment in den „Grundrissen“ verweist Marx auf einen grundlegenden Widerspruch dieser kapitalistischen Produktionsweise. Dort beschreibt er, wie Wissenschaft, Technologie und gesellschaftliche Kooperation zu den wesentlichen Produktivkräften der Gesellschaft werden. In der Maschine materialisiert sich das gesellschaftlich angesammelte Wissen selbst. Marx spricht von der „Akkumulation des Wissens und des Geschickes, der allgemeinen Produktivkräfte des gesellschaftlichen Hirns. (…) Die Natur baute keine Maschinen, keine Lokomotiven, Eisenbahnen, electric telegraphs, telfacting mules.“ Sie erfindet auch keine maschinelle Automation, kein Logarithmus oder einen Computer.
Wie erwähnt, der treibende Agens des Privatkapitalismus ist, Kapital zu akkumulieren. In Bezug auf den Industriekapitalismus zwang dieser Antrieb zur Entwicklung neuer Technologien, die neue Produktivkräfte freisetzten, sodass die Arbeitszeiten reduziert werden konnten, um Kosten zu sparen und konkurrenzfähig zu bleiben, was wiederum den Wert der Arbeit reduzierte und die Grundlage des Profits zersetzte, was zur Folge hatte, dass frisches Geldkapital immer weniger in die Industriegüterproduktion investiert wurde. Je fortgeschrittener das „formalisierte Wissen“ (André Gorz) umso schneller schwindet der industrielle Wertmaßstab menschlicher Arbeit, der sich in der Arbeitszeit ausdrückt. Mit dieser Erosion schwindet auch die „kapitalistische Produktionsweise“. Der gesellschaftlich produzierte Reichtum wird zunehmend von wenigen Einzelnen „High-Tec“-Eigentümern angeeignet. Sie sind Eigentümer dieser Produktions,- Distribution und Kommunikationsinfrastruktur. Zusammen mit der Finanzindustrie, mit der sie ein zeitweises Bündnis eingegangen sind ( Finanzialisierung der Infrastruktur), zerstören sie nicht den Kapitalismus, sondern seine Produktionsweise. Dieses Bündnis konnte nur zustande kommen, weil die aus dem Anleihegeschäft der Banken entstandene Finanzindustrie neue Finanzierungsmodelle entwickelte, deren Grundlage darin bestand, Geld als eine Ware zu behandeln. Das Kreditgeschäft übernimmt die Führerschaft über die industrielle Produktionsweise. Michael Hudson hat diese Entwicklung aus profunderer Kenntnis heraus in seinen Büchern dargestellt. Mit dieser Entwicklung sind neue Formen kapitalistischen Einkommens entstanden: Finanzrenten, Tech- Renten.
Der Wohlstand der Nationen hängt nicht vom Zustand der Börsen ab.
Nicht nur die Klassiker der Ökonomie auch moderne Ökonomen haben Aneignungsformen „ohne Arbeit“ wie die Grundrente, Finanzrenten abgelehnt, die keine oder keine neuen Investitionen zur Grundlage haben.
Eine Grundrente, deren Einkommen aus zuvor feudalen Eigentumsordnungen der Grundherrschaft stammt, wo Grund und Boden keine Ware waren, ist ein Einkommen, das ohne Arbeit bezogen wurde. Dieses Einkommen haben die liberalen Ökonomen der kapitalistischen Produktionsweise von A. Smith bis D. Ricardo abgelehnt. Diese Art der Grundrente stelle einen Abzug vom gesellschaftlichen Arbeitsertrag des Sozialprodukts dar. Es hemme das Wachstum und damit den „Wohlstand der Nation“. (In diesem Fall des 18. Jahrhunderts und darüber hinaus den Wohlstand der Bourgeoisie)
Michael Hudson beschreibt den systematischen Übergang vom Industriekapitalismus zum Finanzkapitalismus mit historischer Genauigkeit und damit den Übergang vom Profit zur Finanzrente. Anknüpfend an Marx „Maschinenfragment“ in den Grundrissen legt er dar, wie die zuvor die den Industriekapitalismus unterstützende und dienende Funktion des Kredits (Marx bezeichnet diesen Kredit als „zinstragendes Kapital“) in ein eigenes Geschäft des Bankensystems transformiert wurde, in dem Geld allein als Ware funktioniert. Die Finanzindustrie wurde zur Hauptquelle des Wachstums von Geldkapital. Je weniger die Verwertung des Investitionskapitals in der Industrie für Produktion von Sachgüter erfolgt, um so mehr nimmt die Funktion des „dienenden“ zinstragenden Kapitals ab. Der Kredit verschiebt sich auf Finanzansprüche, Vermögenswerte, Schuldentilgungen und auf die Maximierung von Finanzrenten. Die entscheidende Ressource ist nicht mehr der Grund-und Boden oder Ware als Sachgut, sondern der Kredit als Geldware.
Die Vermögensansprüche des Finanzsystems müssen aus dem Einkommen aus der Gesellschaft bedient werden. Ein immer größerer Anteil der Einkommen fließt in den Schuldendienst. Die Gesellschaft produziert weiterhin Reichtum, verfügt jedoch immer weniger über frei verfügbares Einkommen. Gleiches trifft auch auf die öffentlichen Haushalte und auf die Unternehmen zu. Je mehr die Wertproduktion abnimmt, desto stärker geraten Staaten unter Druck, die globalen Vermögensbesitzer zu bedienen. Sparprogramme oder so genannte Reformen werden notwendig und in ihrem Geleitzug findet ein Abbau des Sozialstaates, der öffentlichen Infrastruktur statt. Privatisierungen öffentlicher Vermögenswerte sind die Folgen.
Die Bewirtschaftung des Finanzkapitals hat zur „Finanzialisierung“ aller gesellschaftlicher und privater Lebensbereiche geführt. Der Neoliberalismus ist eine adäquate Ideologie für das Finanzkapital. Sein extremer Flügel bezeichnen sich als Libertäre. Ihr ideologische Kernaussage besteht im absoluten Freiheitsversprechen des Individuums. Notwendige Grundlage dieses Versprechens liegt im permanenten Gewinnstreben und der darauf gründenden Macht zur Freiheit. Die Praktiken der Finanzindustrie und die digitale Technologie der KI sind die Träger dieser Dystopie.